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die Goldeinfuhr, und zwar in einzelnen Jahren um gewaltige Summen(1893 um 87V2 Millionen S). Bringt man von der jeweiligen Gold-gewinnung den Goldverbrauch der Vereinigten Staaten uud Judieus inAbrechnung, dann blieb für die übrige Welt im Jahresdurchschnitt von1886 bis 1890 ein Goldquantum von 298,6 Millionen Mark, von 1891bis 1895 gar ein Betrag von 677,1 Millionen Mark verfügbar, gegen136,7 Millionen Mark in dem Jahrfünft 1881 bis 1885.
Wie diese Verhältnisse auf das deutsche Geldwesen einwirkten, ergiebtsich aus folgenden Zahlen:
Bereits vom Jahre 1885 an konnte die Neichsbank beträchtlicheGoldmengen aukaufeu. Während ihre Goldankäufe im Jahre 1884 auf13^/2 Millionen Mark gesunken waren, beliefen sie sich 1885 auf etwa130 Millionen Mark und stiegen ununterbrochen bis auf 236 MillionenMark im Jahre 1888. Wenn sie sich auch in den folgenden Jahrennicht auf dieser uugewöhulicheu Höhe zu halteu vermochten, sondern ineinzelnen Jahren wieder sehr geringfügig waren, so weisen sie doch einenweit günstigeren Durchschnitt auf als die zweite Hälfte der siebziger unddie erste Hälfte der achtziger Jahre. Im ganzen beliefen sich die Gold-aukäufe der Reichsbauk von 1885 bis 1896 aus IV2 Milliarden Mark'.
Der größte Teil dieses Goldes gelangte zur Ausmunzung. Nament-lich von 1887 ab zeigt die Statistik der Goldprägungen stets sehr hoheZiffern. Nur iu zwei Jahren (1891 uud 1892) war die Goldprägunggeringer als 100 Millionen Mark. Im ganzen beliefen sich die Neu-prägnngen von Neichsgoldmünzen von 1885 bis Ende l896, welche sämt-lich auf Rechnung der Reichsbauk vorgeuommen wurden, auf 1.182 Mil-lionen Mark. Der Bestand der Reichsbank an Barren und Sorten ver-mehrte sich vom 1. Januar 1885 bis zum 31. Dezember 1896 von 71,8auf 314,4 Millionen Mark, also um 242,6 Millionen Mark. Von dengesamten Goldaukäuscn wurdeu also nur etwa 75 Millionen Mark wiederverkauft, eiu Teil davou iu kleinen Goldbarren für die inländische In-dustrie, der größere Teil für den Export nach dem Ausland.
Was diese Zahlen für die Entwickelung des deutschen Geldwesensbedeuten, ergiebt ein Vergleich mit dem damaligen deutschen Goldbestand.
Beim Beginn des Jahres 1885 betrugen die deutschen Goldprägungeninsgesamt 1.920 Millionen Mark. Dieser Betrag war durch Eiuschmel-zungen und Exporte auf etwa 1.580 Millionen Mark verringert^. Der
' Siehe Beiträge S. 469.
2 Berechnet nach den in den Beiträgen S. 489 gegebenen Anhaltspunkten.