Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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er ist damit immer noch beträchtlich mehr als doppelt so groß, als ervor 12 Jahren war'.

Dabei hat der Vorrat der Reichsbank an Thalern und Scheide-münzen eine im ganzen nicht unerhebliche Abnahme erfahren: von350 Millionen Mark im Jahre 1881 auf 309 Millionen Mark im Jahre1885 und auf 280 Millionen Mark im Jahre 1897.

Dadurch hat sich der Anteil des Goldes am Metallvorrat der Reichs-bank von 37,2 °/o im Jahre 1881 auf fast 70°/° in den letzten Jahrengehoben, und die Golddeckuug der Reichsbauknoten ist von 28"/« imDurchschnitt der Jahre 1881 und 1882 auf 64,3 °/v im Jahre 1895gestiegen.

Von dem gegenwärtig noch vorhandenen Thalerbestand, der sich aufetwa 380 Millionen Mark belaufen dürfte, sind thatsächlich nur etwa150 Millionen Mark entbehrlich. Da die Reichsbank dem freien Verkehrkein Silbergeld aufnötigt, befindet sich nicht mehr Silber im Umlauf,als deu Bedürfnissen nach Silbergeld entspricht. Die Reichsbank hat,um die ihr übertragene örtliche Regulierung des Scheidemünzumlaufsdurchführen zu können, einen Thaler- und Scheidemünzbestand von etwa125 Millionen Mark unbedingt nötig, eine Summe, welche durch ihrenthatsächlichen Bestand an diesen Münzen nur um etwa 150 MillionenMark übertroffen wird.

Alis diese 150 Millionen Mark überflüssiger Thalerstücke beschränkensich heute die Folgen der vorzeitigen Unterbrechung des Nesormwerkes.Ihr Vorhandensein ist praktisch bedeutungslos. Sie verschwinden völliggegenüber eiuem Goldgeldbestand von fast 3 Milliarden Mark, und auchgegenüber dein Goldbestand der Reichsbank im Betrag von 600 MillionenMark fallen sie nicht mehr ins Gewicht. Obwohl die Thaler bis zumheutigen Tage noch gesetzliches Zahlungsmittel bis zu jedem Betrage sind,vermögen sie es nicht zu hindern, daß das deutsche Geldwesen sich that-sächlich sowohl für den inländischen Geldverkehr, als auch in seinen Be-ziehungen zu ausländischen Valuten als eine durchaus wohlbegründeteund gesicherte Goldwährung darstellt.

Das deutsche Geldwesen hat sich also seit 1885 in einer geradezustaunenswerten Weise entwickelt. Niemand, selbst nicht die eifrigstenAnhänger der Goldwährung, haben einen so glänzenden Aufschwung auchnur geahut. Nicht nur, daß alle die Befürchtungen und Hoffnuugen!,

' Siehe Beiträge S. 470.