IV.
Tie industrielle Verwendung der Edelmetalle.
So wichtig für die Beurteilung der währungspolitischen Verhältnissedie Frage ist, wie viel von der jährlichen Edelmetall-Gewinnung zu in-dustriellen Zwecken verwendet wird und wie viel zu monetären Zweckenverfügbar bleibt, so schwer ist es, diese Frage zu beantworten.
Es häufen sich hier Schwierigkeiten aus Schwierigkeiten. Schon dieFeststellung, wie viel Gold und Silber jährlich in der Judustrie Ver-wendung findet, wird niemals völlig korrekt vorgenommen werden können.Wenn man sich, wie früher der amerikanische Münzdirektor, unmittelbaran die Industriellen wendet, welche Edelmetalle verarbeite», so riskiertman, von einem großen Teil der Befragten überhaupt keine oder unrichtigeAngaben zu erhalten. Es taucht dann sofort die noch schwierigere Frageauf, wie viel von dem verarbeiteten Edelmetall altes Material, wie vielneugewonnenes Metall, wie viel aus dem Münzumlauf des eigeneil Landesoder fremder Länder entnommen ist.
Die Feststellung der Metallmengen, welche von Münzanstalten,offizielleil Probierämtern, Affinieranstalten zc. an Gewerbetreibende ver-kauft werden, — das Verfahren, welches seit 1889 vom amerikanischenMünzdirektor angewendet wird — kann von vornherein nicht die Beträgeder von den einzelnen Industriellen selbst eingeschmolzenen Münzen er-fassen. Dagegen giebt eine solche Methode mehr Anhaltspunkte über dieHerkunft des verarbeiteten Edelmetalls.
Absolut keine Grundlage für die Beurteilung, ob das verarbeiteteMaterial aus der Neuproduktion oder aus dem Münzumlauf stammt,oder ob es sich um die bloße Umformung vou Schmuckgegenständen :c.handelt, geben die Nachweisnngen über die bei den Probierämtern undPunzierungsämtern gestempelten Gold- und Silberivaren.
Für viele Länder ist nicht einmal dieser mangelhafte Anhaltspunktvorhanden.
Alle Schätzungen des industriellen Verbrauchs der Edelmetalle sinddaher sehr unsicher und gewagt. Immerhin haben die Berichte des ameri-kanischen Münzdirektors und die teilweise auf private«: Erkundigungen