Der Verkauf eines enormen Quantums Silber war vielleicht dieschwierigste Aufgabe, welche die Durchführung der Münzreform der Reichs-verwaltung stellte. Soweit auch die Schätzungen über die Größe derabzustoßenden Silbermenge auseinandergingen, daran war kein Zweifel,daß sie die jährliche Silbergewinnuug der ganzen Welt um ein Erheblichesübertreffen würde. Die Neichsregierung selbst hatte das allergrößteInteresse daran, den Verkauf dieser Silbermasseu so zu bewirken, daß sieso wenig wie möglich auf den Silbermarkt und den Silbervreis drückten.Je tiefer während des Verlaufs der Silberabstoßung der Preis desweißen Metalles herabsank, um so größer mußten die dem Reich aus derMünzreform erwachsenden Kosten werden.
I. Die Lage des Silbcrmarktes zur Zeit des Beginnes der deutschen
Münzreform.
Zu der Zeit, als Deutschland sich zum Übergang zur Goldwährungrüstete, war die Lage des Silbermarktes sür die Verkäufer von Silberlängst nicht mehr so glänzend, wie ein Jahrzehnt zuvor ^.
Die kolossale indische Silbernachfrage, welche von 1855—1866 denSilbermarkt beherrscht und den Silbervreis hochgehalten hatte, derenWirkung für die euroväischeu Währungsverhältnisse vor allem einewesentliche Begünstigung uud Beschleunigung der Umwandlung des Silber-umlaufs der Frankenländer in einen Goldumlauf gewesen war, — diese
! Vergleiche zu den folgenden Ausführungen die Tabelle I im Anhange zu diesemAbschnitt.