Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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bestehenden Preisen (ca. 53 ä) die Silberabstoßung wieder in Gang zubringen, ohne den Markt zu entmutigen.

Die London Joint Stock Bank antwortete, unter den obwaltendenUmständen sei auch durch ein Herabsetzen des Preises keine wesentlicheSilberabstoßung zu erzwingen.Bei einem Ausbieten unsererseits möchteder Preis einen bedeutenden Fall erleiden und soweit fallen, bis Spekulantenvielleicht zu 50 ä oder darunter für gut hielten, Silber zu nehmen undfür längere Zeit hinzulegen. Solche Operationen würden aber weiterenVerkäufen für Ihre Rechnung im Wege stehen. Sie dürfen annehmen,daß keine Unze mehr verkauft wird, ob sie nun auf 54 ä fest bleibenoder den Preis auf 50 ä uud darunter fallen lassen".

Auf diese Auskunft hin unterblieben auch fernerhin die Verkäufein London .

Dagegen wurden im Juli und namentlich in der zweiten Hälfte desAugust allerdings nicht sehr erhebliche Beträge an deutsche Bankhäuserfür den Export nach Österreich verkauft.

Dort hatte das Silberagio im Sommer 1878 angefangen zu ver-schwinden. Die Wechselkurse stellten sich so günstig für Österreich , daßdie Arbitrage die Versendung von Silber nach Österreich zum Zweckder Ausprägung in Guldenstücke lohnend fand.

Anfang September hörten auch diese Verkäufe auf. Die Reichsbankhatte sich von den Banken, welche ihr das Silber abgekauft hatten,garantieren lassen, daß dasselbe ausschließlich für Österreich bestimmt fei,denn sie wollte jede Einwirkung dieser Verkäufe auf den Londoner Marktverhindern. Sie schöpfte jedoch Verdacht, dieses Silber sei doch teil-weise für den Orient bestimmt gewesen. Deshalb entschloß sie sich,überhaupt kein Silber in Deutschland mehr zu verkaufen, und abzuwarten,welchen Einfluß diese Enthaltung auf den Londoner Markt ausübenwerde.

Das Reichskanzleramt war jedoch mit der andauernden Unterbrechungder Silberverkäufe wenig zufrieden. Es sprach den Wunsch aus, dieReichsbank möchte auf Nachfragen für Osterreich Silber zu Preisen, welcheden gleichzeitigen Londoner Notierungen entsprächen, verkaufen.

Als gegen Ende September der Silberpreis in London vorübergehendauf 51 s/4 6 stieg, verkaufte die Reichsbank Silber für etwa 100.000 F ein fehr mäßiges Quantum. Alle weiteren Offerten zu 51 >/2 ä, welcheauf größere Beträge lauteten, wurden abgelehnt.