Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Andere österreichische Banken haben zweifellos ähnliche Manipulationenausgeführt.

Man darf deshalb deu Zuwachs, welchen von 1871 bis 1873 derdeutsche Umlauf an österreichischen Silbergulden erfuhr, auf mindestens50 Millionen Gulden 100 Millionen Mark veranschlagen.

Die Vermehrung der anderen in Deutschland umlaufenden fremdenMünzsorten läßt sich mangels jeglicher Anhaltspunkte auch uicht mit derleisesten Spur von Sicherheit abschätzen.

Fassen wir alles zusammen, so ergiebt sich, daß die Gesamtsummeder iu Deutschland umlaufenden ausländischen Goldmünzen seit demFriedensschluß bis Ende 1873 eine Verminderung erfahren hat durch dieVerwendung großer Summen zur Umprägung iu Reichsgoldmünzen.Diese Verminderung ist jedoch durch das neue Einströmen fremder Gold-münzen, welches durch die Wirkungen der Milliardenzahlnng auf dieWechselkurse zc. veranlaßt wurde, mindestens zu einem erheblichen Teilausgeglichen worden. Man kann zweifeln, ob nicht, trotz der starkenEinschmelzungen und Umprägungen, der deutsche Umlauf von fremdenGoldmünzen in jener Zeit sogar vermehrt worden ist.

Die fremden Silbermünzen im deutschen Umlauf haben sich ohneZweifel sehr beträchtlich vermehrt. Um die Mitte des Jahres 1873, alsdiese Entwickelung ihren Höhepunkt erreichte, mag sich diese Vermehrungwohl auf 200 Millionen Mark belaufen haben.

Von nun ab bis zum Schluß des Jahres 1873 schlug die bisherigeEntwickelung in ihr Gegenteil um.

Die Klagen über die Zunahme der Zirkulation fremder Silbermünzenwaren so stark geworden, daß sich die deutschen Regierungen zu Maßregelngegen das Überhandnehmen dieser Sorten genötigt sahen.

Das Münzgesetz gab dem Bundesrat die Befugnis, den Umlauffremder Münzsorten zu verbieten. In Vorbereitung eines solchen(namentlich gegen die österreichischen Guldeu gerichteten) Verbotes beschloßder Bundesrat am 8. Juli 1873, die Einzelregierungeu zu ersuchen,zunächst ihren öffentlichen Kassen die Annahme der österreichischen undniederländischen Gulden zu verbieten.

Diese Maßregel genügte zur allmählichen Austreibung der fremdenSilbermünzen. Man hörte auf, sie zu ihrem alten Pariwert in Zahlungzu nehmen, und nachdem sie einmal ein Disagio erhalten hatten, wurdedas allgemeine Mißtrauen ihnen gegenüber bald so stark, daß sie überhauptnicht mehr in Zahlung genommen wurden. Zum Teil mögen sie nach