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um sich auf einen anderen Standpunkt zu stellen, als die übrigeneuropäischen Staaten, welche, sofern sie ein gesundes Münzwesenhaben, auch das Privatprägerecht anerkennen. Sie sagt nämlich:keine andere Regierung übernimmt, wie wir, die Pflicht, dasdurch Umlauf beschädigte Geld später wieder einzuziehen. EineRegierung, die, wie die englische, sich gar nicht darum kümmert,ob gutes oder schlechtes Gold umläuft, welche die Bank dafürsorgen lässt, die die schlechten Sovereigns, die ihr unter dieFinger kommen, mit der Schere zerschneidet und das Publikumden Schaden tragen lässt, kann wohl auch dem Publikum dieFreiheit geben, auf ihrer Münze, und zwar wie es in England geschieht, unentgeltlich zu prägen. Auch Frankreich kann es,weil es in dieser Beziehung gar keine Bestimmungen hat. Wirkönnen es nicht, und ich glaube, es war in Absicht auf dieseanticipierende Widerlegung, dass der Herr RegierungskommissarIhnen vorher vorgerechnet hat, wie viel wir an dem Gewinne,den wir mit der Goldprägung machen, durch den Umlauf inZeit von 25 Jahren vermöge der Einziehungspflicht wieder ein-büssen werden. Ich bin nun im Prinzip nicht mit ihm ein-verstanden. Ich sage aber, wenn das wirklich die unvermeid-liche Konsequenz wäre, so möchte ich lieber die Sicherheitaufgeben, welche in der Einzugspflicht des Reiches liegt, alsdieses rationelle Element der Privatausprägung. Allein ichbrauche soweit gar nicht zu gehen. Ich behaupte, es ist einganz falscher Gesichtspunkt, zu sagen, dass das Reich nun dieLasten einer Privatspekulation auf sich nimmt, wenn es dafürsorgt, dass die auf dem Privatwege ausgeprägten Münzen nachihrem Verschleiss wieder auf Reichskosten hergestellt werden.Ich behaupte, dass diejenigen, welche die Privatausprägungtreiben, nicht bloss für sich arbeiten, sie arbeiten auch für dasReich, sie sind die Stellvertreter des Reichs in dieser Sache,und der wahre Sinn des Privatausprägerechtes ist ganz einfachder, wie Ihnen jeder Nationalökonom sagen wird: sie ist diebeste Art, für die richtige Ausprägung, für den richtigen Ab-und Zufluss des cirkulierenden Mittels zu sorgen. Wenn derStaat es dem Privatinteresse übergiebt, so wird dieses mit seinerscharfen Rechnung von Gran zu Gran jeden Tag am bestenwissen, was zu beschaffen und was loszulassen ist, und es istkeine Spekulation, vor der der Staat sich zurückzieht, um hier