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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Seite
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dass derjenige, der einem schlechten Zahler borgt, eine höherePrämie dafür nimmt, weil er in seinem ganzen Wuchergeschäftsich mit diesem höheren Nutzen dagegen deckt, dass eine An-zahl seiner Klienten ihm am Zahltage ausfällt. Das ist die Re-medur, die Sie hier vorgeschlagen haben.

Herr Gamp hat noch einen anderen Vorschlag gemacht;er sagt: man kann ja das Kapital vergrössern. Nun, meineHerren, bis jetzt war ein Bedürfnis zur Vergrösserung desGrundkapitals nicht hervorgetreten; für die regelmässigen Ge-schäfte, für die Diskontierung von Wechseln, für die Lombar-dierung, für die Aufrechterhaltung der Währung, war das nichthervorgetreten. Wozu soll denn das Kapital vermehrt werden ?Um es an solche Leute zu leihen, die nicht ganz solvabel sind ?Es soll also mehr Kapital gegeben werden zum Verlieren?!Das ist eine Bank, wie sie bis jetzt noch nicht bestanden hat,wie sie allerdings auf Originalität den grössten Anspruch hat.(Heiterkeit.)

Nun, ich glaube wirklich, dass, wer nur sich Rechenschaftvon der unendlich wichtigen und unanzweifelbaren Zahlungs-fähigkeit einer Bank giebt, davon durchdrungen sein muss, dassder ganze Standpunkt, den Herr Gamp in dieser Sache einge-nommen hat, absolut ein externer ist. Nur jemand, der ganzausserhalb des Begriffs und der Sphäre des Bankwesens steht,kann an die Bank herantreten und ihr Wünsche aussprechenüber das, was alles desiderabel wäre, damit so viel Menschenwie möglich im Reich durch Kredit glücklich gemacht werden.Herr Gamp hat selbst angedeutet, dass man eine Menge An-stalten sich denken könne, die zu diesem Zweck thätig sind fürHandwerkerkredit, landwirtschaftlichen Kredit, Genossenschafts-kredit. So viel Sie wollen, schaffen Sie, wenn Sie die Plänehaben! Bringen Sie sie vor, im Reichstag und in den Einzel-staaten! Aber, wenn derartige Schmerzen existieren, diese aneine Bank heften und einen Wunschzettel herstellen, den dieBanken befriedigen sollen, ohne zu fragen, wie die Zahlungs-fähigkeit, die perennierende Solvabilität darunter leidet, das ist einStandpunkt, den nur jemand einnehmen kann, der ganz falscheVorstellung von dem Wesen der Zettelbanken hat.

Nun, meine Herren, soweit, was die Desiderien des HerrnGamp angeht. Ich komme nun mit ein paar Worten auf die