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Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
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nimmt er nicht zu. Hier liegt in Wahrheit der einfacheSchlüssel zu der großen Evolution, die sich in der Währungvollzieht. Die Sitten und Gebräuche der modernen, leichtuud rasch beweglichen Welt können sich nicht mehr mitschweren Mengen befreunden. Handele es sich um dieBörse (Portemonnaie) des Einzelnen oder um den Geld-verkehr des Handels am selben Platz oder von Platz zuPlatz oder auf weite überseeische Entfernungen: immermehr verweigert der dazu verwendete Apparat den Umgangmit großen Silbermassen.

Vergeblich hat mau sich darauf berufen, daß die Die »ammch-nTransportanstalten, Post und Eisenbahn uud Dampfbote, "AA^"die Beförderung von Edelmetallen nicht nach Gewicht undUmfang, sondern nach Wert berechnen und damit für dieVersendung das Silber mit dem Golde auf gleichem Fuß be-handeln könnten, und daß eine solche Praxis auch teilweise be-stehe. Aber mit dieser einzelnen, an sich schon der Natur derDiuge widersprechenden künstlichen Kostenberechnung ist dasHindernis doch lange nicht überwunden. Die Bedingungenvon Zeit, Raum und Gewicht, welche der Beförderung undHandhabung einer 15Mfach schwereren Masse entsprechen,lassen sich nicht durch rechnerische Kunststücke ausgleichen,und so sehen wir in der kleinen wie in der großen Weltdas Silber nur ausnahmsweise in unseren Tagen zugrößeren Zahlungen verwendet. Frage sich nur jeder selbst,wie viel Thaler er in seiner Tasche gern mit sich herumtrage, und ob er nicht, wenn sich zufällig mehrere derselbenzusammenfinden, sobald als möglich ihre Umwechslung inGold oder Papier vornehme. Ebenso geht es ini Kassen-verkehr der Geschäfte. Es ist bekannt, daß alle größerenGeschäftshäuser, sobald sich einmal Silbermassen bei ihnenanhäufen wollen, diese sofort zu Auszahlungen an öffent-liche Kassen, namentlich an die der Reichsbank, da wo sich