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Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
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so die Frage richtig stellt. Jedes Maß von vorhandenenGeldmitteln wird sich beim regelmäßigen Verlauf ruhigerZeiten so auf die verschiedenen Kreise des Landes ver-teilen, daß dieselben ihren Gebrauch darnach einrichtenund die vorhandene Fülle ihren Verkehrsgewohnheiten an-passen. Ist dies aber der Fall, so wird auch jede beieiner Krise eintretende Veränderung, welche zu bestimmtenZwecken und aus bestimmten Gründen eine einseitigeStrömung oder einen Abfluß dieser Geldmittel hervor-ruft, sich als eine Störung in den Verkehrsgewohnheitengeltend machen und als ein relativer Mangel empfundenwerden. Es giebt daher gar keine Vorsorge, welche ver-hindert, daß in Ausnahmezuständen auch bei noch sogroßer vorangegangener Fülle eine mißliche Veränderungentstehe. Ferner sorgt die Natur der Dinge, wie allenSachverständigen bekannt ist, dafür, daß eine über dieregelmäßigen Bedürfnisse des Verkehrs hinausgehende Füllevon Geldmitteln auf die Dauer sich gar nicht erhaltenkann. Bei dem ununterbrochenen Austausch von Warenund Edelmetall und namentlich in neuerer Zeit von Wert-papieren zwischen alleu civilisierten Ländern ist es unver-meidlich, daß jeder Ueberfluß au einem oder dem anderendieser Artikel durch Abströmeu nach den übrigen Länderndas Gleichgewicht herstellt, zunächst beispielsweise bei Metall-geld vermöge der Einwirkung, welche der zu große Vorratdesselben auf den Zinsfuß des betreffenden Landes ausübt,iudem er ihn herabdrückt und dadurch einen Abfluß desGoldes nach den Regionen veranlaßt, wo ein höherer Zinszu erlangen ist. Wenn irgend etwas feststeht in der Lehrevon der Geldwirtschaft, so ist es dieses, und daranf beruhtdie seit eiuem halben Jahrhundert feststehende gesunde Praxisder nationalen Notenbanken. Endlich aber ist es nicht blosunvermeidlich, sondern auch ganz heilsam, daß in denjenigen