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Aber nichts legt die Vermuthung nahe, daß Deutsch-land überhaupt eher als irgend ein anderes in normalenVerhältnissen verkehrendes Land überhaupt in die Lagekommen könnte, von solchen Notbehelfen Gebranch zumachen. Es ist bereits gezeigt worden, daß die Gold-vorräte der Reichsbank sich in ganz gesunden Verhältnissenbewegen, und noch mehr gilt dies von dennoch bestehendenPrivatnotenbankeu, die den ihnen vorgeschriebeneu Metall-schatz ausschließlich in Gold besitzen. Die Adern des Ver-kehrs sind reichlich mit Gold gesättigt; noch niemals ist bisjetzt eine Klage über das Gegenteil aufgetaucht, uud dieZahlen, welche nach unzweifelbar annähernd richtigerSchätzung dieser Goldvvrrat im Privatverkehr aufweist,sind auch gauz darnach angethan, jeden Gedanken an einenMaugel auszuschließen.
Nichtsdestoweniger figuriert unter den Eiuweuduugen,welche die Gegner unserer Goldwährung regelmäßig vor-bringen, der Ruf, daß bei Ausbruch eines Krieges dieGoldwährung in Nichts zerrinnen und damit der Bankerotthereinbrechen werde. Dieses so oft hinausgestoßene Ge-schrei wirkt um so mehr auf die Phantasie, als seine Be-rechtigung niemals in geordneter Gedankeureihe begründetsondern aus den Knalleffekt eines falschen Schreckschussessich verlassen wird. Darum ist es schou der Mühe wert,einmal ein wenig bei diesem Kunstgriff zu verweilen nndihn in seiner ganzen Falschheit zu zeigen.
Wie stellt man sich überhaupt den regelrechten Zustandder Geldverfassuug eines Landes vor? Muß es immerderartig ein Uebermaß von Unilaufsmitteln besitzen, daßin einem gegebenen Fall von ungewöhnlichen übergroßenBedürfnissen Mittel zur Befriedigung derselben vorhandenseien, ohne ihren Abgang für die Gesamtheit sühlbar zumachen? Die Antwort ergiebt sich von selbst, wenn man
Die angeblicheUnzulänglichkeit
dieses Geld-vorrates jür denKriegsfall.
Nnmoglichkeit, di>cirkulierenden
Geldvorräte üb«Bedarf zu ver-mehren.