Druckschrift 
Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

schaffen, ohne daß die Preise der übrigen Dinge berührtwürden. Dies gilt namentlich vom Getreide. Als amEnde der siebziger Zahre durch eine Uebereinkunft zwischenden Vertretern der Industrie und der Landwirtschaft diehohen Zölle eingeführt wurden, suchte jeder Beteiligte seinePortion durch besondere Gunst zu erhöhen. Während nundie Industrie zur Erkenntnis gekommen ist, daß die wechsel-seitige Steigerung der Schutzzölle ihr durch Uebertreibungschadet, uud daß namentlich die Erhöhung der Mhruugs-mittelvreise ihre Konkurrenzfähigkeit im Auslande bedroht,haben die Agrarier herausgefunden, daß ihre einseitigenVorteile bei Zollerhöhungeu nicht genug gewahrt seien.Zwar haben sie in gewissen Fällen ein Interesse anch auder Möglichkeit der Ausfuhr der Laudesproduktc, aber denwollen sie uicht durch allgemeine Maßregeln, die jedem zuGute kommen, herbeiführen, sondern durch Bevorzugungen,welche ihnen für ihre besonderen Zwecke gewährt werden,wie Aufhebung des Identitätsnachweises beim Getreide-cxport und Staffeltarife beim iuuercu Transport. Siehaben eben entdeckt, daß man besondere Bedingungen fürden Absatz seiner Ware haben müsse, wenn man auf Kostenseiner Mitbürger Prosit machen will, und daß jede auf dieAllgemeinheit ausgedehnte Regel sich wieder aufhebt.Darum begehrten sie zunächst, als die Industrie auf-gehört hatte, neue Zollerhöhungen zu verlaugeu, derenimmer höhere sür das Getreide, erklärten sich, nachdem siedie höchsten Zölle in der Welt mit 5 Mark für 100 Kiloerlangt hatten, für unbefriedigt uud entrüsteten sich darüber,daß die neuen Handelsverträge diesen riesenhaften Zoll umeiu Geringes verminderten. Aber damit nicht zufrieden,lassen sie sich einreden, daß sie noch größeren Vorteil habenwürden, wenn durch Einführung eines Geldes von gerin-gerem Wert unter gleich hoher Benennung die Preise ihrer