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Das Land Etrurien und das Volk der Etrurer müssen scharfunterschieden werden.
Auszugehen ist von dem Volke.
Die Etrusker sind, nach heute herrschender Geschichtsvor-stellung, 2 ) vor dem Jahre 900 v. Chr. in Raetien , d. h. auf derNordseite des Alpenrückens zwischen dem Gotthard und demBrenner ansässig geworden. Von dort haben sie sich in die lom-bardische Ebene verbreitet, zunächst bis zum Po, zwischen Ticinusund Venetien , sodann auch südlich des Po, zwischen Pisa und Ari-minum, mit Felsina (Bologna ) als Hauptstadt. Von dort habensie sich allmählich weiter südlich ausgedehnt, und zwar auf derWestseite des Appenin, zwischen dem rechten Tiberufer und derMeeresküste, die Ostseite Mittelitaliens den Umbrern überlassend.
Als 754 v. Chr. Rom gegründet wurde, standen die Etruskerauf dem Höhepunkt ihrer Macht. 3 ) Sie behaupteten diese Höhe bis
2 ) Die Frage, von wo die Etrusker eingewandert sind, ist trotz unab-sehbarer Literatur bis heute nicht gelöst. Nach einer alten Meldung (Herodot )sollen sie von Lydien in Griechenland gekommen sein, nach einer neuerenAuffassung aus dem Nordwesten Europas , nach einer dritten neuesten Mei-nung (Hans Mühlestein, Über die Herkunft der Etrusker, Berlin 1929) wärensie aus dem südöstlichen Mittelmeergebiet auf verschiedenen Wegen und inVermischung mit anderen vorhellenischen „kleinasiatisch-ägäischen“ Bestand-teilen der Seevölker des Mittelländischen Meeres auf verschiedenen Wegennach Mitteleuropa gelangt und erst hier zur Nation geworden.
Th. Mommsen (Römische Geschichte, Bd. 1 Kap. 9 7. Auflage S. 126)hat bemerkt, daß die Frage des Ursprunges der Etrusker nicht beantwortet wer-den könne, und daß damit nicht viel verloren sei, „da die Einwanderung aufjeden Fall der Kinderzeit des etruskischen Volkes angehört, dessen geschicht-liche Entwicklung in Italien beginnt und endet.“
3 ) Daß das im Text beschriebene, von den Alpen bis zum Appenin undwestlich des Appenin bis zum rechten Tiberufer reichende, Gebiet zu den Zei-ten der Erbauung Roms etruskisch war, ist sicher. Daß später Kelten (Gallier)über die Alpen vordrangen, teils in großen Scharen und Heersäulen, teils in an-dauernder allmählicher Einwanderung kleinerer Haufen und Verbände, die an-sässige Bevölkerung in unaufhaltsamem Fortschritt vertreibend, ist ebensogewiß. Der Andrang richtete sich gegen Umbrer, Ligurer und Etrusker. DieEinzelheiten des gewaltigen Vorganges sind unsicher. Es steht aber außerZweifel, daß die Etrusker gegen die Gallier eine südlich weit rückwärts lie-
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