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Bis zur A[bSchaffung des Königtums
Etruskern entlehnt haben. Nach neuerer Anschauung ist die Ein-richtung von den italischen Völkern indogermanischen Stammesnach Italien gebracht worden und allen italischen Völkern undLandschaften gemeinsam. In anderen Fällen ist das Ob und dasWie etruskischer Herkunft römischer Kulturmomente Gegenstandwissenschaftlichen Streites, wobei dann wieder in den Fällen derBejahung noch die weitere Frage eine Rolle spielt, ob Etrurien das ursprüngliche Entstehungsgebiet ist, oder ob, wie es im Be-reiche der Bildhauerei und der Baukunst vielfach der Fall ist, dieEtrusker die Sache von den Griechen haben, oder ob, wie es auchvorkommt, es sich um die Produkte der vor und neben den Etrus-kern in Etrurien verbliebenen tyrrhenischen Bevölkerung handelt,welche die Etrusker zu Hörigen gemacht hatten. Weiterhin ist zuunterscheiden, ob der etruskische Einfluß durch die Tätigkeitetruskischer nach Rom gekommener Persönlichkeiten geübt wurde,wie diejenige der Haruspices in Rom , welche jederzeit nur Etru-rier waren, und diejenige der aus Etrurien zahlreich nach Rom kommenden Sänger und Instrumentalmusiker, oder ob etruskischeEinrichtungen, Fertigkeiten, Fabrikationen im Wege der Nach-ahmung von den Römern übernommen wurden, wie Tempelbau,Städtegründung, Landesvermessung, Lagerabsteckung, technischeUnternehmungen und Kunstübung. Auf einer noch anderen Linieliegt es, daß die Römer die Insignien der Magistrate, namentlichdie 12 Liktoren, die Toga Praetexta und Pieta, die Sella Curulis,den Pomp der Triumphe, das goldene Diadem, die Tunica Palmaüaden Etruskern entnommen haben.
Die Parallele (vielfach auch Identität) römischer Verfas-sungs- und Staatsverwaltungseinrichtungen sowie der römischenHeiligtümer und Ritualien mit den etruskischen sind ein Kapitelfür sich, vielleicht das merkwürdigste in der ganzen römisch-etrus-kischen Problem-Reihe.
Man muß davon ausgehen, daß Römer und Etrusker ihr Ge-meinwesen elementar auf Priesterherrschaft und Religionsübungeingestellt hatten, und daß beide Nationen von der Furcht derGötter erfüllt, das Bedürfnis hatten, die Götterwelt als Einheit „imGeist und in der Wahrheit“ anzubeten, und daß die Römer ihre