Damit war die Reihe der Vorgänge abgeschlossen, welche anStelle des Königtums die Republik setzten.
In derselben Richtung liegend und zeitlich unmittelbar an-schließend sind aber noch folgende Ereignisse zu bemerken.
Die Konsuln trugen Sorge, daß der unter den Tarquiniern inseiner Wirksamkeit zurückgesetzte, in seiner Zahl stark gemin-derte Senat wieder auf die volle Zahl von 300 Senatoren gebracht,zugleich aber seines früher ausschließlich patrizischen Charaktersentkleidet wurde, indem die Lücke durch Hinzuwahl der vornehm-sten Plebejer gefüllt wurde. Diese, im Gegensatz zu den pa-trizischen Senatoren (patres) nannte man „conscripti“. Die An-rede des Senates war demzufolge fortan: „patres conscripti“(d. h. patres et conscripti).
Der Konsul L. Collatinus wurde als Anverwandter der ver-triebenen Königsfamilie alsbald Gegenstand allgemeinen Wider-spruchs. Auf Antrag des Brutus wurde er durch Beschluß derVolksversammlung abgesetzt und durch P. Valerius ersetzt, unterAusdehnung der Verbannung der Familie des Königs auf sämt-liche Mitglieder der gens Tarquinia.
Der Konsul P. Valerius brachte zwei Gesetzesanträge ein,welche die Komitien mit nachdrücklicher Befriedigung annahmen:1) Berufungsrecht des von einem Magistrat zu Kapitalstrafe ver-urteilten Bürgers an die Volksversammlung, 2) Ächtung undGütereinziehung gegen jeden, der versucht, das Königtum herzu-stellen („qui regni occupandi consilia iniesset“ Livius II 8).
Der Konsul Brutus entdeckte eine Verschwörung junger Rö-mer zur Herstellung der tarquinischen Königsherrschaft. DieSchuldigen wurden von Brutus zum Tode verurteilt und öffentlichenthauptet. DasTodesurteil und seine Vollstreckung traf auch zweiSöhne des Brutus, von welchem die Schriftsteller einstimmig be-richten, daß er die Enthauptung seiner Söhne vor seinen Augenvollziehen sah, ohne eine Miene zu verziehen. — Dem Brutuswurde später ein ehernes Standbild auf dem Kapitol gesetzt, mit-ten unter den Königen, ein gezücktes Schwert in der Hand.