Der Übergang zur Republik
V.
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Will man die Triebkräfte und den Sinn der die Revolutionvon 510 herbeiführenden Bewegung erkennen und die der Revolu-tion folgende Entwicklung zusammenhängend würdigen, so wirdman folgende Momente, welche in engster Verbindung miteinan-der stehen, ins Auge fassen:
1. Die führende Bedeutung der römischen Geschlechter (gen-tes) als dauernde Träger des nationalen, politischen, religiösen,wirtschaftlichen Lebens des römischen Volkes.
2. Die Großartigkeit der Roms Weltstellung vorbereitendenRegierungstätigkeit der drei Tarquinischen Könige.
3. Das Verhältnis der Tarquinier zu den patrizischen Ge-schlechtern und zu den Plebejern, sowie das Verhältnis der Patri-zier und Plebejer zueinander.
Was die Geschlechter angeht, so muß man sich erinnern, daßdieselben vor der Gründung Roms in voller Unabhängigkeit alsselbständige Gemeinschaften in räumlicher Absonderung, ohnejede andere politische Bindung als diejenige, die sie sich selbstdurch Sitte und Religion auferlegten, an, auf, und um die römi-schen Hügel herum gesiedelt waren, und daß sie aus freiem Ent-schluß zusammentraten, um unter der Leitung des 18jährigen Plir-ten Romulus (so ist es überliefert) sich gegenseitig zu stützen.Man muß sich ferner erinnern, daß die Mitglieder der gentes undnur diese, als patres, die Gesamtheit der römischen Bürger bilde-ten, und daß allein diese Geschlechtermitglieder den Körper desVolkes bildeten auf dessen souveränem Willen die Königsmachtberuhte, und welcher sich wohl berufen fühlen konnte, einen durchGewalt, ohne Wahl oder Bestätigung des Volkes auf den Throngekommenen Herrscher, wie Tarquinius Superbus , abzusetzen undzu verbannen.
Man hat bemerkt (Schwegler, röm. Geschichte Bd. I, S 652),daß Dionysius die ältere Verfassung nicht mit Unrecht als eine Mi-schung von Königtum und Geschlechterherrschaft bezeichne, daßaber ein heimlicher Konflikt des Geschlechtertums mit dem Kö-nigtum durch die ganzeGeschichte der römischen Königszeit gehe.
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