Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
Seite
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84 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.

Unter den drei ersten Königen ist wenig von solchem Kon-flikt zu spüren, auch nicht die Rede davon, daß der alten Stellungder gentes Abbruch geschehen könne. Wenn Romulus das Volk inpatres und plebeji teilte, so geschah dies nur, um das Hörigkeits-verhältnis der letzteren festzustellen und den patres die Würde desPatronatrechtes zu gewährleisten.

Eine neue Ära hob an mit der Regierung des ersten Königsetruskischer Herkunft, des Tarquinius Priscus . Als Ausdruckgesteigerten Machtsinnes dieses Königs wird berichtet, daß er dieFasces der Liktoren und andere königliche Attribute aus Etrurien einführte. Wichtiger aber ist, daß ihm als ersten König Begün-stigungen der Klienten zugeschrieben werden, welche man gera-dezu als Begründung der Plebs bezeichnet hat. Das älteste Ge-wohnheitsrecht der plebs wurde als seine Gesetzgebung betrach-tet. Durch Anweisung von Staatsland an zugewanderte Latiner(Livius spricht von vielen Tausend) vermehrte er die plebs. Ihmwird auch die Inaugurationsformel zugeschrieben:quod felixfaustumque sit populo plebique Romanae. Sein NachfolgerServius Tullius hat in seiner langen Regierungszeit und mit seinembeispiellos umfassenden Wirken die Königliche Macht zu unerhör-ter Höhe gebracht, nicht indem er Unterdrückung übte, sondernindem er durch sein Verfassungswerk die staatsrechtliche undmilitärische Einheit der Patrizier und der Plebejer eingeleitet,sowie durch die Befestigung des neuen Siebenhügelbereiches undden agger, die Verkehrsverbindungen innerhalb der Stadtin glänzendem Maße verbessert hat. Nach außen berei-tete er die Führ er Stellung Roms in Latium, sowde den po-litischen Anschluß Etruriens an Rom vor. Es ist natürlich, daßdie Erfolge dieser Regierungstätigkeit dem Mißtrauen und derOpposition der gentes den Wind aus den Segeln nahmen, zumalniemals und nirgend an dem reinen Staatswillen des Servius einZweifel aufkommen konnte. Aber die den Patriziern nachteiligepolitische Wirkung der Zenturienverfassung konnte doch nichtverkannt werden, obwohl sie zunächst praktisch nicht verspürtwurde. Die Länge der Regierungszeit des Servius ließ das Stei-gen der Zahl und der Stärke der von Servius äußerst begünstigtenplebs zweifellos immer fühlbarer für die Patrizier werden. Es