Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

Roms Kriege bis zum Jahre 91 v. Chr.

89

Der letzte Tarquinier hatte die Hegemonie der Stadt Rom über die seit Servius Tullius mit Rom verbündeten latinischenStädte erzwungen. Es spricht alles dafür, daß er die weiter-gehende Absicht verfolgte, eine territoriale Einverleibung Latiumsin den Stadt-Staat Rom herzustellen. Es gibt Schriftsteller,welche sagen, Tarquinius habe Latiumzum Bestandteil desrömischen Staates gemacht,die Latiner zu Untertanen herabge-drückt. Diese Auffassung wird aber dadurch wideilegt, daß dieLatiner nach der Vertreibung der Tarquinier sich von Rom feindlich trennten und einen Bund gegen Rom gründeten.

Auf Betreiben des Octavius Mamilius, der den latinischenAdel schon seit längerer Zeit für die Wiedereinsetzung des Tar-quinius bearbeitet hatte, wurde im Jahre 501 eine Tagsatzung beimferentinischen Hain veranstaltet, zu der nur Rom keine Einla-dung erhielt. Hier wurden heftige Reden gegen Rom gehalten,besonders von den Aricinern, die dasselbe anklagten, es habe dieEtrusker zu ihrem Heerzug gegen Aricia aufgestiftet und ihnendabei Vorschub getan. Die Tagsatzung faßte den Beschluß, Rom habe den Bund gebrochen: ein Beschluß, der jedoch vorerst ohneweitere Eolgen blieb. Auf einer Tagsatzung des folgenden Jahres500 wurde die Kriegsfrage aufs Neue verhandelt und beschlossen,Gesandte an die Römer abzuschicken, und sie zur Wiedereinset-zung der Tarquinier und zur Wiederherstellung ihrer bisherigenVerfassung aufzufordern. Gleichzeitig zettelte Tarquinius inRom unter den verschuldeten Plebejern eine Verschwörung an,die jedoch entdeckt und vereitelt wurde. Obwohl nun die Römer jenes Ansinnen ablehnten, so wurde doch erst in Folge von Fi-denäs Fall im Jahre 498 auf einer latinischen Tagsatzung einförmlicher Kriegsbeschluß gegen Rom gefaßt. Sämtliche dreißigStädte des latinischen Bundes beteiligten sich daran, und ver-pflichteten sich eidlich, den Krieg als Bundeskrieg zu führen, undkeinen einseitigen Frieden zu schließen. Wer diesen Eid nichthalten würde, solle aus dem Bunde ausgeschlossen und als gemein-samer Feind behandelt werden. Doch auch jetzt noch wurde derKrieg nicht förmlich eröffnet, sondern im Jahre 497 war Waffen-stillstand, der von Rom benützt würde, die zahlreichen Mischehen