104 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.
Im übrigen wird der Abzug folgendermaßen bezeugt: DerKonsulartribun O. Sulpicius, derselbe, der an der Allia befehligthatte, führte die Unterhandlungen und vollzog den Loskauf. Alsdas Gold dargewogen werden sollte, gebrauchten die Gallier fal-sches Gewicht. Da der römische Tribun sich über das Unrechtbeschwerte, warf der gallische Heerführer Brennus noch seinSchwert in die Wagschale mit dem übermütigen Ausruf „Weheden Besiegten“.
So wurde die Stadt geräumt, nachdem sie sieben Monate imBesitz der Feinde gewesen war.
Die Gallier wendeten sich zunächst südlich, ihre Plünderungs-züge bis Apulien auszudehnen, zogen sich dann aber bald in diePo-Ebene (Gallia cisalpina ) und den ager Gallicus (zwischenAriminum und Ancona ) zurück. Von dort unternahmen sie inden Jahren 367, 361, 360, 358, 356—349 neue Einfälle gegenRom , von denen sie aber jedesmal, nach bald erlittener Nieder-lage, in ihre norditalischen Sitze zurückkehrten.
Einen letzten Zug unternahmen sie 350 nach dem Albaner-berg, wo sie Winterquartiere nahmen bis Lucius Furius sie end-gültig vertrieb.
Von den Einzelheiten des durch den gallischen Brand und diemoralische Niederlage der Römer herbeigeführten Elends, sowieüber den Wiederaufbau der Stadt und die Aufrichtung des Staa-tes ist an anderer Stelle zu berichten.
Über die Bedeutung der gallischen Einbrüche im Ganzenschreibt Mommsen folgendermaßen: „Der Kampf der Gallier undRömer ist, ungleich dem zwischen Rom und Etrurien oder Rom und Samnium, nicht ein Zusammenstoß zweier politischer Mächte,die einander bedingen und bestimmen; er ist den Naturkatastro-phen vergleichbar, nach denen der Organismus, wenn er nichtzerstört wird, sofort wieder sich ins Gleiche setzt. Die Galliersind noch oft wiedergekehrt nach Latium. Allein diese Raub-züge, wie schreckhaft und beschwerlich sie sein mochten, warenmehr Unglücksfälle als politische Ereignisse und das wesentlicheResultat derselben, daß die Römer sich selbst und dem Auslande