Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Roms Kriege bis zum Jahre 91 v. Chr.

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tend umgangen zu werden, hatte er sich nicht getraut, in die Alpen selbst vorzurücken, sondern unterhalb Trieut am linken Ufer derEtsch sich aufgestellt und für alle Fälle den Rückzug auf dasrechte durch Anlegung einer Brücke sich gesichert. Allein alsnun die Cimbern in dichten Scharen aus den Bergen hervordran-gen, ergriff ein panischer Schreck das römische Heer, und Legio-näre und Reiter liefen davon, diese gerades Wegs nach der Haupt-stadt, jene auf die nächste Anhöhe, die Sicherheit zu gewährenschien. Mit genauer Not brachte Catulus wenigstens den größtenTeil seines Heeres durch eine Kriegslist wieder an den Fluß undüber die Brücke zurück, ehe es den Feinden, die den oberen Laufder Etsch beherrschten und schon Bäume und Balken gegen dieBrücke hinabtreiben ließen, gelang, diese zu zerstören und damitdem Heer den Rückzug abzuschneiden. Eine Legion indeß hatteder Feldherr auf dem anderen Ufer zurücklassen müssen und be-reits wollte der feige Tribun, der sie führte, kapitulieren, als derRottenführer Gnaeus Petreius von Atina ihn niederstieß und mit-ten durch die Feinde auf das rechte Ufer der Etsch zu dem Haupt-heer sich durchschlug. So war das Heer und einigermaßen selbst dieWaffenehre gerettet; allein die Folgen der versäumten Besetzungder Pässe und des übereilten Rückzugs waren dennoch sehr emp-findlich. Catulus mußte auf das rechte Ufer des Po sich zurück-ziehen, und die ganze Ebene zwischen dem Po und den Alpen inder Gewalt der Cimbern lassen, sodaß man die Verbindung mitAquileia nur zur See noch unterhielt. Dies geschah im Sommer102, um dieselbe Zeit, wo es zwischen den Teutonen und den Rö-mern bei Aquae Sextiae zur Entscheidung kam. Hätten die Cim-bern ihren Angriff ununterbrochen fortgesetzt, so konnte Rom in eine sehr bedrängte Lage geraten; indeß ihrer Gewohnheit, imWinter zu rasten, blieben sie auch diesmal getreu und umso mehr,als das reiche Land, die ungewohnten Quartiere unter Dach undFach, die warmen Bäder, die neuen und reichlichen Speisen undGetränke sie einluden, es sich vorläufig wohl sein zu lassen. Da-durch gewannen die Römer Zeit, ihnen mit vereinigten Kräftenin Italien zu begegnen. Von dem Schlachtfelde von Aix wurdedas siegreiche Heer an den Po geführt, und, nach kurzem Ver-