Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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124 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.

weilen in der Hauptstadt, wo er den ihm angetragenen Triumphbis nach völliger Überwindung der Barbaren zurückwies, trafauch Marius selbst bei den vereinigten Armeen ein. Im Frühjahrioi überschritten sie, 50,000 Mann stark, unter dem KonsulMarius und dem Prokonsul Catulus wiederum den Po und zogengegen die Cimbern, welche ihrerseits flußaufwärts marschiert zusein scheinen, um den mächtigen Strom an seiner Quelle zu über-schreiten. Unterhalb Vercellae unweit der Mündung der Sesiain den Po, eben da, wo Hannibal seine erste Schlacht auf itali-schem Boden geschlagen hatte, trafen die beiden Heere aufeinan-der. Die Cimbern wünschten die Schlacht und sandten ihrerLandessitte gemäß zu den Römern, Zeit und Ort dazu auszuma-chen: Marius willfahrte ihnen und nannte den nächsten Tages war der 30. Juli 101 und das raudische F'eld, eine weiteEbene, auf der die überlegene römische Reiterei einen vorteilhaf-ten Spielraum fand. Hier stieß man auf den Feind erwartet unddoch überraschend; denn in dem dichten Morgennebel fand sichdie cimbrische Reiterei im Handgemenge mit der stärkeren römi-schen, ehe sie es vermutete, und ward von ihr zurückgeworfen aufdas Fußvolk, das eben zum Kampf sich ordnete. Mit geringenOpfern ward ein vollständiger Sieg erfochten und die Cimbernvernichtet. Glücklich mochte heißen, wer den Tod in der Schlachtfand, wie die meisten, unter ihnen der tapfere König Boiorix;glücklicher mindestens als die, die nachher verzweifelnd Hand ansich selbst legten oder gar auf dem Sklavenmarkt in Rom denHerrn suchen mußten, der dem einzelnen Nordmannen die Drei-stigkeit vergalt, des schönen Südens begehrt zu haben, ehe dennes Zeit war. Die Tigoriner, die auf den Vorbergen der Alpen zurückgeblieben waren, um den Cimbern später zu folgen, verlie-fen sich auf die Kunde von der Niederlage in ihre Heimat. DieMenschenlawine, die dreizehn Jahre hindurch von der Donau biszum Ebro, von der Seine bis zum Po die Nationen alarmiert hatte,ruhte unter der Scholle oder fronte im Sklavenjoch. Das heimat-lose Volk der Cimbern mit seinen Genossen war nicht mehr.