Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Innerpolitische Geschichte

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Kapitel III.

Innerpolitische Geschichte der Stadt Rom bis zum Jahre 91 v. Chr.

i.

ie Geschichte einer Stadt darstellen ist etwas anderesals die Geschichte eines Staates darstellen. Ein drit-tes ist es die Geschichte eines Volkes zu erzählen.Hier beschäftigen wir uns weder mit der Geschichtedes römischen Staates noch mit der Geschichte des römischenVolkes, sondern mit derjenigen der Stadt Rom . Dies bedeutet,daß wir die Stadt als Individuum, als Gegenstand einer Biografiebehandeln. Nicht jede Stadt ist dieser Behandlung zugänglich.Mit Athen, Venedig, Florenz geht es, mit Konstantinopel nicht.Roms Geschichte aber fordert diese Behandlung geradezu. Wehejedoch dem Darsteller, welcher hier mit einer Definition des Sub-jektes beginnen wollte. Damit würde er den Faden, der als Leit-faden dienen soll, sofort zerrissen haben. Nicht eine Definition,sondern die lebendige Anschauung der geschichtlichen Realität,welche die Stadt Rom ist, muß hier den Darsteller leiten. Vondiesem Gesichtspunkt aus ergibt sich sofort, daß der Boden derStadt Rom es ist, welcher den Gegenstand bestimmt. Pompeji und Veji sind noch gegenwärtig geschichtliche Realitäten. Auchder abgestorbene Körper dieser Städte ist noch Gegenstand derGeschichte. Doch darüber ist Wortstreit möglich. Für Rom istklar, daß der Boden der Stadt, Hügel, Fluß und Gestein, trotzallem, was mit dem Platz und auf ihm und um ihn herum in bald3000 Jahren geschehen ist, geblieben sind, was sie waren, das heißtinsofern, daß an diesen Boden als einheitliche Grundlage die Er-zählung der Geschichte anknüpfen kann.

Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß die Erzählung dasVerhältnis der Stadt und ihrer Bewohnerschaft nicht in Abhän-gigkeit von dem Begriff des Staates zu stellen hat.