Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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130 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.

Zwischenzeit wurde das Volk kümmerlich mit dem Korn gefristet,das man von Etrurien auf dem Tiber herbeischaffte. Endlichkamen die Kornschiffe aus Sizilien, womit der drückendsten Notgesteuert war. Im Senat wurde nunmehr beratschlagt, zu wel-chem Preise das Korn abgelassen werden solle. Die milderenSenatoren rieten, das geschenkte unentgeltlich zu verteilen, dasbezahlte zu ermäßigtem Preis zu verkaufen. Andere meinten,jetzt sei es Zeit, die Plebejer zu demütigen, sie zur Verzichtlei-stung auf ihre ertrotzten Gerechtsame zu zwingen. Zu diesengehörte Cn. Marius Coriolanus, welcher vorschlug, bei dieserGelegenheit das verhaßte Volkstribunat abzuschaffen. Der .Senatbeschloß, das vorrätige Getreide um den niedersten Marktpreisgewöhnlicher Zeiten abzulassen.

Wie die besonders furchtbare Seuche des Jahres 463 in Rom wütete, berichtet Livius (III 6, 7) indem er mittcilt, die Epidemiehabe Rom so wehrlos gemacht, daß die Aequer und Volsker mitfeindlichem Anmarsch ungehemmt bis auf eine Entfernung von3 römischen Meilen (ad tertium lapidem in Gabina via) Vordrin-gen konnten.

Für die Seuchen von 463 und 453 sind folgende Verlustbe-richte überliefert: Die Seuche von 463 raffte beide Konsuln hin,drei Volkstribunen von fünfen (auf diese Zahl war das Volkstri-bunat im Jahre 471 erhöht worden), zwei Auguren von vieren,den Oberkurio, den vierten Teil der Senatoren. Im Jahre 453starben an der Pest einer der Konsuln und dessen Ersatzmann,vier Volkstribunen, ein Augur, einer der drei großen Flamines,viele Senatoren, die Hälfte der freien Einwohner und fast alleKnechte.

Uber die in der Zeit von 494 bis zum Jahre 451 unter sofurchtbaren Umständen stattgehabten Kämpfe und über die daraushervorgegangenen Änderungen der Verfassung ist im einzelnenhier nicht viel zu berichten. Im großen aber ist umso nachdrück-licher hervorzuheben, daß während des ganzen Zeitraumes dieganze römische Bürgerschaft ohne Unterlaß den Ständekampfkämpfte, und daß, trotz der unaufhörlichen mühsamen und aufrei-benden Kämpfe gegen die äußeren Feinde der Ständekampf es