Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Innerpolitische Geschichte

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dem Krieg des Porsenna gehabt haben mag, eine Invasion undlängere Besetzung Roms von Seiten der Etrusker ist zweifelloserfolgt. Energische Bemühungen der Tarquinier um Wiederer-langung des Königthrons haben jahrelang die gespannteste Auf-merksamkeit Roms erfordert. Die patrizischen Anhänger der tar-quinischen Dynastie haben in Rom und in den umliegenden Städtengegen das in Rom bestehende Regiment intrigiert. Wenn auch derGlaubwürdigkeit der an den Namen des Diktators Aulus Postumiusund an die Schlacht am See Regillus sich knüpfenden Überliefe-rungen im einzelnen Bedenken entgegenzustellen sind, so ist esdoch zweifellos, daß sich große und andauernde Kämpfe mit denLatinern an die etruskische Invasion angeschlossen haben. MitAequern und Volskern, gab es fortwährend Kämpfe. Die Zeitinsbesondere nach dem Jahre 465 war durch eine Kette unglück-licher Kriege mit diesen Völkern gekennzeichnet.

Was in diesen die persönliche und die wirtschaftliche Kraftaller Bürger in Anspruch nehmenden, aufreibenden Zeitläufen vonder Geschichtsschreibung meist vergessen oder beiseite geschobenwird, hier aber besonderer Hervorhebung bedarf, das sind die seitdem Jahre 492 ausgebrochenen wiederholten Hungersnöte, Erdbe-ben, Wetterkatastrophen und Seuchen, welche Rom bis 453 unauf-hörlich, besonders schwer heimsuchten.

Den Anfang machte die Hungersnot von 492, welche dersecessio plebis und der Vereinbarung der lex sacrata fast auf demFuß folgte. Die Teurung in Rom war so groß wie in einer be-lagerten Stadt. Der ärmere Teil des Volkes wäre dem Hungererlegen, hätten nicht die Konsuln Maßregeln gegen die Not getrof-fen, und überallhin Leute ausgeschickt,Getreide aufzukaufen: nachEtrurien , ins Land der Volsker, nach Kumä, sogar nach Sizilien.Bei den Volskern war es nicht möglich, Einkäufe zu machen. InKumä gelang es, Getreide zu kaufen, aber Aristodemos, der Be-herrscher der Stadt, legte Beschlag auf die römischen Kornschiffe,um sich für das Vermögen des Tarquinius , dessen Erbe er war,schadlos zu halten. Von Sizilien kam reichliche Kornzufuhr,teils gekauft, teils von einem großmütigen griechischen Fürstender Insel geschenkt. Aber diese Hilfe kam sehr spät; in der

Neomario, Geschichte der Stadt Rom

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