Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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134 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.

erfolgten Kritiken, selbst noch einmal die bessernde Hand an ihrWerk, das sie zum Schluß der Billigung des Senates und derVolksversammlung (Centuriatcomitien) unterbreiteten. Sodannerfolgte die Verkündung des Gesetzes durch Aufstellung der Ta-feln auf dem Komitium.

Die Dezemvirn des Jahres 451 übertrugen den Vorsitz derWahlkomitien für ihre Nachfolger einstimmig dem Appius Clau-dius . Dieser setzte in erster Linie seine eigene Wahl, sodanndiejenige folgender Patrizier durch: M. Cornelius Maluginensis,M. Sergius, L. Minucius, Q. Fabius Vibulanus, O. Poetilius, T.Antonius Merenda. Außerdem wurden folgende drei Plebejergewählt: Manius Rabulejus, Caeso Duilius, Sp. Oppius.

IV.

Das zweite Dezemvirat, das an den Iden des Mai 450 ins Amttrat, verkündete von Anfang an einen ganz andern Geist, als daserste. Gleich am Tage des Amtsantritts erschien ein jeder derDezemvirn mit zwölf Liktoren, im Gegensatz zu den früherenDezemvirn, von denen nur je einer die Abzeichen der höchstenGewalt über Leben und Tod sich hatte vorantragen lassen.

Es wird darüber weiter berichtet: Derselbe Geist rücksichts-loser Gewalttätigkeit beherrschte die ganze Amtsführung der De-zemvirn. Die Rechtspflege wurde willkürlich und parteilich ge-handhabt. Hinrichtungen waren an der Tagesordnung. Senatsund Volksversammlungen wurden nicht gehalten. Unter demDruck dieser Schreckensherrschaft litt anfangs die gesamte Bür-gerschaft: bald aber lastete er ausschließlich auf der Plebs. KeinPatrizier ward gekränkt. Die patrizischen Jünglinge, denen die-ser Zustand ungebundenen Frevels gefiel, drängten sich scharen-weise um die Stühle der Dezemvirn. Gegen die Gemeinen dage-gen wurde mit empörender Willkür und Grausamkeit verfahren.Und zu dieser Bedrückung ihres Standes sahen die plebejischenMitglieder des Dezemviralkollegiums ruhig zu. Sie waren Schat-tenbilder, willenlos gegenüber dem gewaltigen, überlegenen Manne,