140 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.
bejer Sp. Oppius. Die übrigen Dezemvirn verbannten sich selbst,ehe gegen sie Anklage erhoben war. Ihr Vermögen wurde ein-gezogen.
VI.
Die Schilderung der Ereignisse soll hier durch einige allge-meinere Erörterungen über die Epoche des Kampfes und des Aus-gleiches der Stände unterbrechen werden um gewissen Oberfläch-lichkeiten zu begegnen, welche in die Auffassung des Ständekamp-fes weit verbreitet sind.
Wenn man den Zeitraum von 494 bis 287 v. Chr. als die Zeitdes Ständekampfes und des Ausgleiches der Patrizier und der Ple-bejer bezeichnet, so ist dies der naheliegende Ausdruck dafür, daßdie erste Sezession der Plebs, im Jahre 494, und die dritte Sezes-sion, im Jahre 287, (mons Janiculus) als Beginn und Ende desStändekampfes betrachtet werden können. Aber es mus hierbeihervorgehoben werden, daß die Aufstellung dieses Rahmens nurden Wert eines rohen chronologischen Hilfsmittels hat.
Es muß namentlich vor der Anschauung gewarnt werden, alsob es sich um einen Krieg in zwei streng geschlossenen Frontenhandelt, wobei die Plebejer von Anfang an und in bewußter Kon-sequenz das Ziel verfolgt hätten, welches im Jahre 287 erreichtwurde: die völlige rechtliche Gleichstellung der Plebejer mit denPatriziern.
Gegen diese Anschauung ist zunächst darauf hinzuweisen, daßdie Wurzeln des Kampfes bis in die Zeit der Tarquinier zurück-reichen, in welcher die Patrizier die Feinde, die Plebejer dieFreunde des Königtums sind, ein Gegensatz, welcher nach demSturz der Tarquinier noch bis in die Zeit der Schlacht am Regil-lus (496 v. Chr.) stark bemerkbar ist.
Ferner: Die Plebejer haben niemals ein allgemeines Aus-gleichprogramm aufgestellt. Sie haben immer nur von Mal zuMal bestimmte Forderungen erhoben, welche sich aus ihremjeweiligen Bedürfnis als dringend ergaben.
Bei der Sezession von 494 waren es der Hunger, die Schul-denlast und das Übermaß des Kriegsdienstes sowie die Ungerech-