Innerpolitische Geschichte
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Mutterstadt auf ewig zu entsagen; wenn kein in deren Mau-ern zurückgelassenes Unterpfand sie länger binde; erst dann werdeman sie hören. Noch einmal müsse man auszichen und sich aufdem Heiligen Berge lagern.
So geschah es.
Wie die Plebs den Aventinus, so hielt die Patrizier das Kapi-tol und die Festen in ihren Stadtteilen besetzt: doch herrschte einstillschweigender Waffenstillstand: niemand versuchte die Co-horten aufzuhalten, welche von Aventinus, mitten durch die Stadt,durch das Velabrum, über das Forum, durch die Subura , den Steigbei Santa Agata hinauf, aus dem collinischen Tor in Kriegsord-nung fortzogen. An sie schlossen sich, von den Esquilin , undaus den Vierteln, wo i{ir Stand zerstreut wohnte, Mann und Weib,Alt und Jung, wer sich regen konnte oder wem von Hilfreichenfortgeholfen ward,geleitet von denVeterancohorten der geringerenKlassen. Alles lagerte sich auf dem Heiligen Berg bei der Legion,welche Jcilius zum Abfall bewogen hatte: dorthin versetzten sieihre Regierung. Auch diesmal wird ihnen rühmend nachgesagt,Eigentum ihrer Feinde sei von diesen Tausenden nirgends versehrtworden. Nun wich der Widersacher Trotz: Valerius und Hora-tius kamen ins Lager, um die Forderungen des Volkes zu verneh-men. Sie wurden herzlich empfangen. Auf den seitens der beidenDelegierten erstatteten Bericht verordnete der Senat, daß die De-zemvirn ihr Amt niederlegen und daß Konsuln erwählt werdensollten. Darauf rückten die Ausgewanderten nach Rom zurück,besetzten das Kapitol, und zogen in Heeresordnung auf den Aven-tinus, um die Tribunen zu wählen. Sodann hielt die Plebs eineVersammlung auf den Flaminischen Wiesen ab („prata Flaminia“nordwestlich am Kapitol gegen das Marsfeld hin) und leitete dieKonsulwahl in die Wege.
L. Valerius und M. Horatius wurden zu Konsuln gewähltund traten ohne Verzug ihr Amt an.
Appius Claudius entzog sich der gerichtlichen Bestrafung sei-ner Verbrechen, indem er sich im Kerker den Tod gab. DiesemBeispiel folgte der nach ihm am meisten verhaßt gewordene Pie-