138 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.
noch einmal unter vier Augen zu sprechen, und in ihrer Gegen-wart die Amme zu befragen, ob ihm diese Tochter wirklich unter-geschoben und wie es mit diesem Betrug zugegangen sei. DieseGunst wurde ihm gewährt. Er trat mit den Frauen auf die Seite,ergriff ein Messer von einer Fleischerbank, und stieß es seinerTochter ins Herz.
V.
Treibende Persönlichkeiten des infolge dieser Ereignisseausbrechenden Aufstandes waren zunächst Virginius, der Vater,Jcilius, der Verlobte, Numitorius, der Oheim der Vii-ginia.
Die Plebejer erkoren als politische Führer für den von ihnenjetzt in entschlossener Umsicht eröffneten Kampf gegen die De-zemvirn und für die Herstellung der Verfassung die zwei Männer,welche der verfassungswidrigen Fortsetzung der Dezemviratsherr-schaft auf der Schwelle entgegengetreten waren: Lucius Valeriusund Marcus Horatius. An diese wendete sich auch der Senat alsVermittler.
Als nicht eigentlich erwählter, sondern auf Grund seiner Mä-ßigung, Gerechtigkeit und Klugheit durch das allgemeine Ver-trauen ausgezeichnete, des Ohres sowohl der Senatoren als derPlebejer stets sicherer Vertrauensmann war der Altvolkstribun,Duilius (er war 470 Volkstribun) tätig.
Der Aufstand begann damit, daß die plebejischen Veteranen,welche den Virginius zur Verstärkung des gefährdeten Heeres aufden Algidus begleitet hatten, die Fahnen nahmen und nach Rom zurückmarschierten. Dort besetzten sie den Aventin alsBurg der Plebejer. Die ganze plebejische Armee sagte denDezemvirn den Dienst ab. Die Plebejer, und an ihrer Spitze Dui-lius, Valerius, Horatius, forderten die Abdankung der Dezemvirn.Die Dezemvirn lehnten ab. Duilius sprach zu den Plebejern. Erbelehrte sie, so werde der Zwist nie endigen. Noch immer wähneder Senat, sie seien nicht zum äußersten entschlossen: erst wennsie die Stadt verlassen hätten, wenn man sie bereit sähe, wofern essein müsse, eine neue Heimat sich zu gründen und der römischen
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