Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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150 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.

bejer mit den Patriziern ohne jede Bedeutung. Aber sie sindMomente für die Geschichte des Gegensatzes der Stände und fürdie richtige Vorstellung der Natur ihres mehr als 200jährigenKampfes, die Erkenntnis ergebend, daß jener Kampf von der ver-heerenden Natur war, welche alle die zähen Kämpfe haben, dieeine ganze Nation oder eine sonst bestimmte Volksgemein-schaft ganze Generationen hindurch zerreißen, und wobei dieScheidung der Parteien unabhängig von bestimmten Parteizielenwird, an deren Stelle Klassenhaß, Religionshaß, Bruderhaß dieMenschen gegen die Menschen treibt. Man denke an dieBlauenund dieGrünen (Konstantinopel 532 n. Chr.), Katholiken undHugenotten (Paris 1572) an Welfen und Ghibellinen (Verona 1236, Florenz 1302).

Man muß in dem Zusammenhang des Stände-Ringens 494-287der Tatsache eingedenk sein, daß Rom im Lauf jener zweiein-halb Jahrhunderte fast unaufhörlich von Kriegen, Naturkatastro-phen, Seuchen und Hungersnöten heimgesucht war. Die großenHungersnöte der Jahre 492, 44039, 392, 390, 31211 sind dieentsetzlichen Höhepunkte dieser Leiden, wo der Gegensatz derPlungernden und derer, welche zu leben hatten, alles andere über-wog und wo die politischen Gegensätze hinter der bitteren Notdes Lebens dem Kampf um die nackte Existenz zurücktraten.

VIII.

Wenn man von der hohen Zinne eines die Jahrhunderte über-blickenden Standpunktes aus die römische Geschichte der Zeit von494 (erste Auswanderung der plebs auf den Pleiligen Berg) bis287 v. Chr. (letzte Sezession der plebs) und 275 v. Chr. (Schlachtbei Beneventum ) überschaut, so nimmt man wahr, daß die Ent-wicklung Roms in diesen zweihundert Jahren sich in zwei parallellaufenden Grundlinien, einer innerpolitischen und einer außenpoli-tischen, mit großartiger geschichtlicher Konsequenz vollzogen hat,innerpolitisch als Kampf und Ausgleich der römischen Stände,außenpolitisch als die Einigung Italiens unter römischer Führung,ln der Mitte des zweihundertjährigen Zeitraums sind beide Liniendurch den gallischen Einfall unterbrochen. Die Fortsetzung der