Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 

Innerpolitische Geschichte

151

Linien wird markiert durch die Lizinische Gesetzgebung (366)und durch den Beginn der Samniterkriege (343).

Die Epoche von 367 bis 287 erscheint uns als der das Wesenund den Wert des Römertums im Sinne staatlicher Kraft undbürgerlicher Tüchtigkeit am vollkommensten herauszustellendeAbschnitt der römischen Geschichte.

Th. Mommsen (röm. Geschichte I, S.303) beleuchtet den Bür-gersinn der Römer in folgender der Epoche von 367 bis 287 gel-tenden klassischen Betrachtung:Die bürgerliche Gleichheit warddurch die Reform vom Jahre 367 und deren weitere folgerichtigeEntwicklung in gewissem Sinne allerdings erreicht oder vielmehrwieder hergestellt. Wie einst, als die Patrizier noch in der Tat dieBürgerschaft ausmachten, sie untereinander an Rechten und Pflich-ten unbedingt gleichgestanden hatten, so gab es jetzt wieder in dererweiterten Bürgerschaft dem Gesetze gegenüber keinen willkürli-chen Unterschied. Diejenigen Abstufungen freilich, welche dieVerschiedenheiten in Alter, Einsicht, Bildung und Vermögen inder bürgerlichen Gesellschaft mit Notwendigkeit hervorrufen,beherrschten natürlicherweise auch das Gemeindeleben; allein derGeist der Bürgerschaft und die Politik der Regierung wirktengleichmäßig dahin, diese Scheidungen möglichst wenig hervortre-ten zu lassen. Das ganze römische Wesen lief darauf hinaus, dieBürger durchschnittlich zu tüchtigen Männern heranzubilden, ge-niale Naturen aber nicht emporkommen zu lassen. Der Bildungs-stand der Römer hielt mit der Machtentwicklung ihrer Gemeindedurchaus nicht Schritt und ward instinktmäßig von oben herabmehr zurückgehalten als gefördert. Daß es Reiche und Arme gab,ließ sich nicht verhindern; aber wie in einer rechten Bauernge-meinde führte der Bauer wie der Tagelöhner selber den Pflug undgalt auch für den Reichen die gut wirtschaftliche Regel, gleich-mäßig sparsam zu leben und vor allem kein totes Kapital bei sichhinzulegen außer dem Salzfaß und dem Opferschälchen sah manSilbergerät in dieser Zeit in keinem römischen Hause. Es wardas nichts kleines. Man spürt es an den gewaltigen Erfolgen,welche die römische Gemeinde in dem Jahrhundert vom letzten