Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Innerpolltische Geschichte

XIII-

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Es muß hier der Anschauung entgegengetreten werden, alsob die nach 287 in Rom erscheinenden Stände und Parteien alsNachfolger der alten Stände zu betrachten seien; so etwa wieman gesagt hat, daß der Senatorenstand (die Nobilität) und derRitterstand an die Stelle des früheren Patriziates, die beiden ple-bes (rustica und urbana) an die Stelle der alten plebs getretenseien. Die Kämpfe der alten und diejenigen der neuen Zeit sindtrotz des Anscheins gewisser Ähnlichkeiten in ihrem Wesengrundverschieden, unvergleichbar.

Der Kampf der Patrizier und Plebejer ist etwas Einziges,nicht vorher und nicht nachher Dagewesenes. Die Neubildungenvon Ständen, Ständegruppen, Parteien, Klassen nach 287, ihreVoraussetzungen, ihre persönliche Zusammensetzung, ihre Zieleund ihre Methoden sind fließend, wechselnd, vielfach triebhaft undinkommensurabel. Ihre Namen sind nur für eine gewisse Zeiteinigermaßen feststehend, was umso irreführender ist, als sie sichwiederholen.

Man muß für die Zeit nach 287 jedesmal, wenn man in derLiteratur den Stände- und Parteinamen begegnet, feststellen, umwelche Gegensätze der Interessen und um welche Menschen essich handelt.

Zwei Beispiele mögen das zuletzt gesagte veranschaulichen:

1) Es wird berichtet, daß bei der Konsulwahl für das Jahr216 von der Optimatenpartei der als Feldherr bewährteL. Aemilius Paullus , von der Volkspartei der Volksmann C. Te-rentilius Varro zum Konsul gewählt wurde. Eine gleiche Ten-denzwahl hatte im vorhergehenden Jahre, für das Konsulatsjahr217, stattgefunden, indem neben dem aus ältestem Geschlechtstammenden und in jeder Hinsicht im Staatsdienst, besondersauch als Heer- und Flottenführer gegen Hannibal , bewährten Kon-sul Cn. Servilius, ein Mann der Masse, C. Flaminius gewählt wor-den war, welcher sich als Adelsfeind, Buhler um die Volksgunst,Verächter alter Sitte und heiligen Brauches die Mißbilligung desSenates sowie die Feindschaft der Senatorenpartei in hohem Maße