Innerpolitische Geschichte
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auch den Römern frühzeitig erkennbar gewesen. Das VerhältnisRoms zu den Italikern war schon seit 275 ein politisches Grund-problem, welches alsbald zu der Alternative: Unabhängigkeitoder Einverleihung der Italiker zugespitzt wurde.
Im Jahre 146 gab es 7 römische Provinzen, deren Bedeu-tung für bergbauliche, gewerbliche, landwirtscahftliche Pro-dukte, für Geld- und Handelsgeschäfte, Land- und Seeverkehr dieStadt Rom unmittelbar berührte: und die zu staatlicher Anglie-derung der Provinzen drängte. Die sozialen, wirtschaftlichen,steuerlichen Verhältnisse der Stadt Rom selbst wurden durch dieaus den Provinzen (241 Sicilien erste Provinz) nach Rom flie-ßenden Reichtiimer bald völlig umgestellt. Das Heranwachsendes römischen Proletariats, die Latifundien- und Sklavenwirt-schaft, die Macht der Nobilität und die Reichtümer des Ritter-standes, die Exklusivität der Römer gegenüber den Italikern,die Rechtlosigkeit der zugewanderten Nichtbürger, die Wirt-schaftsnot der vom Lande in die Stadt übersiedelnden Bauern-schaft, alles dies schuf neue und gefahrdrohende Zustände,welche schon seit 200 jedermann in Rom bekannt waren, und vondenen alle Welt sprach. Es gab auch genug kluge Köpfe undPersönlichkeiten in Rom , welche die Lage erkannten. Aber dieHerrschaft des Senates und der Übermut der Optimaten unter-drückten alle Reformbewegungen, soziale, politische, rechtliche,moralische.
Der Censor M. Porcius Cato (243—149) predigte verge-bens.
Auch die gewaltigen Bewegungen, welche 133 durch Tibe-rius Sempronius Gracchus (163—133) und nach dessen Toddurch seinen Bruder Gajus Sempronius Gracchus (153—121)entfacht wurden, vermochten nicht, Rom vor den entsetzlichenErschütterungen, Kriegen, Bürgerkriegen, Schreckensherrschaf-ten zu bewahren, welche im letzten Jahrhundert die Republik bisan den äußersten Rand des Verderbens brachten.
Erst die Usurpation der höchsten Gewalt durch Julius Cae-sar und Augustus brachten die Rettung durch den völligen Bruch
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