Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Innerpolitische Geschichte

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Konsul des Jahres 125, welcher im vorigen Jahre ebenfalls dasTribunat bekleidet hatte. Letzterer hielt eine Rede an das Volk,während er selbst in der Halle des Tempels des capitolinischen Ju-piter (die Volksversammlung wurde auf dem Kapitol gehalten)auf und ab ging. Da kam ein Diener des opfernden Konsuls ihmmit dem Opferfleisch entgegen und rief:Macht Platz, ihrschlechten Bürger! Dies erregte bei seinen Begleitern einen sol-chen Zorn, daß einer derselben, zum großen Verdruß des Gracchusselbst, den Diener erschlug, worauf das Volk, ohne sich von Grac-chus halten zu lassen, in blindem Schrecken auseinander stob undnach Hause eilte. Auch Gracchus und Flaccus gingen nun nachHause, und ihre Anhänger begleiteten sie, um in den Vorhallenihrer Häuser Wache zu halten. Am anderen Morgen versammeltesich der Senat, um über die zu ergreifenden Maßregeln zu beraten;Gracchus aber und Flaccus und seine übrigen Anhänger zogen aufden aventinischen Hügel, wie früher die Plebejer. Das Ergebnisder Beratung des Senats war, daß man die Anwendung von Gewaltbeschloß, und die Konsuln zu diesem Behuf durch die bekannteFormel mit unumschränkter Macht bekleidete. Die Anhänger desGracchus schickten vom aventinischen Berge den jungen Sohn desFlaccus als Gesandten und erboten sich durch diesen zur Unter-handlung. Man erwiderte ihnen indeß, Gracchus und Flaccus soll-ten selbst kommen und sich unterwerfen. Diese schickten gleich-wohl den Jüngling noch einmal, aber wiederum vergeblich. DerKonsul ließ denselben ins Gefängnis werfen. Darauf erstürmtendie Senatoren und die Jugend senatorischen Standes, die adligenRitter, unter Führung des Konsuls L. Opimius den Aventin. DieAufständischen flohen fast ohne Widerstand. Flaccus verbargsich in einer Weinkelter, wurde aber hervorgezogen und getötet.Gracchus wollte sich im Tempel der Diana selbst den Tod geben.Aber sein Freunde, die Ritter Pomponius und Lätorius, entrissenihm das Schwert und nötigten ihn zur Flucht. Sie stellten sichdann den Verfolgern entgegen, der eine in der Porta Trigemina,der andere vor der Pfahlbrücke, und opferten ihr Leben, um ihmauf seiner Flucht Vorsprung zu verschaffen. Gracchus floh unterdem Zuruf seiner Anhänger; aber keiner derselben vermochte oder