168 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.
wagte es, ihm ein Pferd zu verschaffen, welches er verlangte. EinEntkommen war unter diesen Umständen nicht mehr möglich. Ersetzte in dem Haine der Purina seiner Flucht das Ziel und ließ sichdaselbst von seinem Sklaven Philokrates töten. Sein Kopf wurdevon einem gewissen Septimulejus abgeschnitten und mit Blei aus-gefiillt dem Konsul gebracht, welcher versprochen hatte, ihn mitGold aufzuwiegen. Sein Leichnam wurde mit den Leichnamenvon 3000 seiner Anhänger in den Tiber geworfen.
Th. Mommsen (röm. Geschichte Bd. II S. 124) schreibt zudiesem Tage folgenden Epilog: „Gegen die Anhänger des Gracchusbegann der Prozeßkrieg im großartigsten Stil; bis 3000 derselbensollen im Kerker aufgeknüpft worden sein, unter ihnen der i8jäh-rige Quintus Flaccus, der an dem Kampf nicht teilgenommen hatteund wegen seiner Jugend und seiner Liebenswürdigkeit allgemeinbedauert ward. Auf dem Freiplatz unter dem Kapitol, wo dernach wiederhergestelltem inneren Frieden von Camillus geweihteAltar und andere bei ähnlichen Veranlassungen errichtete Heilig-tümer der Eintracht sich befanden, wurden diese kleinen Kapellenniedergerissen und aus dem Vermögen der getöteten oder verur-teilten Hochverräter, das bis auf die Mitgift ihrer Frauen hin kon-üsziert ward, nach Beschluß des Senats von dem Konsul LuciusOpimius ein neuer glänzender Tempel der Eintracht mit dazuge-höriger Halle errichtet — allerdings war es zeitgemäß, die Zeichender alten Eintracht zu beseitigen und eine neue zu inaugurieienüber den Leichen der drei Enkel des Siegers von Zama, die nunalle, zuerst Tiberius Gracchus, dann Scipio Aemilianus , endlichder jüngste und gewaltigste von ihnen Ga jus Gracchus von derRevolution verschlungen worden waren. Der Gracchen Andenkenblieb offiziell geächtet; nicht einmal das Trauergewand durfteCornelia um den Tod ihres letzten Sohnes anlegen. Allein die lei-denschaftliche Anhänglichkeit, die gar viele im Leben für die bei-den edlen Brüder, und vornehmlich für Gajus empfunden hatten,zeigte sich in rührender Weise auch nach ihrem Tode in der fastreligiösen Verehrung, die die Menge ihrem Andenken und denStätten, wo sie gefallen waren, allen polizeilichen Vorkehrungenzum Trotz, fortfuhr zu zollen.“