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die Hauptträger des Aufstandfeuers waren, betrieben währenddes Winters die Erhebung und Rüstung aller italischen Stämme.Auf zwei Hauptschauplätzen sammelten sich ihre Heere, imNorden dasjenige der Marsen, Picenter, Merruciner, Peligner,Vestiner, im Süden dasjenige der Samniter und der Lukaner.Die Römer entsandten eine Armee nach dem Norden, eine naclidem Süden. Im Norden diente Marius, im Süden Sulla alsLegat.
In drei Feldzügen (90, 89, 88) wurde von beiden Seiten mitäußerster Kraftentfaltung gekämpft, zunächst nicht mit günsti-gem Erfolg für die Römer, bis im Jahre 88 Apulien unterwor-fen, und im Norden der große Feldherr der Bundesgenossen,0. Pompaedius Silo von dem Praetor Mamercus Aemilius völliggeschlagen wurde. Hiermit war der Krieg zugunsten Roms ent-schieden, obwohl ein samnitisch-lukanisches Heer noch im We-sten stand, und Nola in Campanien noch in den Händen derFeinde war. Die Stadt Rom war von den Kämpfen nicht unmit-telbar berührt worden. Dagegen hatte die Last der Kriegskostenden Erfolg, daß die seit alter Zeit auf und an dem Palatin, alsder Burg, freigebliebenen Plätze an Baulustige verkauft unddaraus 9000 Pfund Gold gelöst wurden, welche die erforderlichenMittel lieferten.
Ein Friedensschluß fand nicht statt. Denn es handelte sichnach der ohne weiteres maßgebenden römischen Auffassung umNiederwerfung einer Insurrektion. Dem entsprach es, daß eslediglich die römische Gesetzgebung war, welche die künftigeLage der italischen Völker und Städte bestimmte.
II.
Bevor berichtet wird, wie dies geschah, erscheint ein Über-blick über die politische Geografie Italiens und die Lage derBundesgenossen vor dem Bundesgenossenkrieg hier angebracht.
Das später und heute als Oberitalien oder als Norditalien bezeichnete Gebiet gehörte im Altertum nicht zu Italien , dessenNordgrenze vielmehr zusammenfiel mit der Nordgrenze von