222
Die seit dem 15. Februar betriebenen Verhandlungen überden Plan der Ermordung Caesars sollen von dem Praetor C. Cas-sius ausgegangen sein, der durch Caesar in seinem Ehrgeiz ver-letzt worden war. Cassius gewann für den Plan den Praetor M.Junius Brutus , seinen Verwandten, einen von Caesar durch vieleGunstbeweise ausgezeichneten, in seiner politischen Überzeugungaber unbestechlichen, und besonders wegen seiner Gesinnungs-treue für das heldenhafte Bürgertum der Republik und für dietraditionellen Freiheitsideale bekannten, in höchstem Ansehenstehenden Mann. Nachdem dieser den Plan des Cassius sank-tioniert hatte, indem er zur „Verteidigung der Freiheit“ seineMitwirkung zugesichert hatte, waren bald über 60 Senatoren, An-gehörige aller Parteien, dem (gemäß des Brutus Wunsch nichtunter Eidespflicht gestellten) Exekutionsbunde, so wurde er be-trachtet, beigetreten.
Caesars Tod wurde auf den 15. März festgesetzt.
Der für die Senatssitzung vom 15. März bestimmte Raumwar ein Saal im Theater des Pompe jus (nahe dem heutigenCampo de Fiori), in welcher eine Bildsäule des Pompe jus stand.Unter der Bildsäule befand sich der goldene Thron.
Caesars Ankunft in der Sitzung verzögerte sich, weil seineGemahlin Calpurnia durch üble Vorzeichen geschreckt, ihn zuHause festzuhalten suchte. Man schickte den Decimus Bru-tus ab, um Caesar abzuholen. Unterwegs wurde dem Diktatoreine Schrift übergeben, in welcher das Vorhaben der Verschwo-renen enthüllt war; allein er steckte sie ungelesen zu sich. EinWahrsager begegnete ihm, der ihn früher vor den Iden des Märzgewarnt hatte. Caesar rief ihm zu: „Die Iden des März sind da“.„Aber noch nicht vorüber“ antwortete ihm jener. Als er imSenat angekommen war und seinen Platz auf dem ihm vorbehal-tenen Sessel, neben welchem der Sessel des durch einen der Ver-schworenen außerhalb des Gebäudes festgehaltenen MitkonsulsM. Antonius freiblieb, eingenommen hatte, ging ihn Tul-lius Cimber, einer der Verschworenen, mit einer Fürbitte fürseinen verbannten Bruder an. Cäsar hatte dieselbe schon öfter