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Die Leiche Caesars wurde der Sitte gemäß auf dem Forumaufgestellt. Antonius hielt die übliche Leichenrede. Er führtedem Volke die großartigen Kriegstaten des Toten vor; er erin-nerte an die vielen Beweise von Freigebigkeit, die das Volk vonCaesar empfangen; sodann hob er die zahlreichen Beschlüsse her-vor, durch welche der Senat sich früher für Caesars Politik ver-bürgt und ihn mit Ehren überhäuft hatte. Endlich zeigte er demVolke unter lauten Klagen das von den Dolchstößen der Ver-schworenen durchbohrte und von Blut befleckte Gewand Caesars.Zugleich wurde ein Wachsbild Caesars mit den 23 Wunden in dieFlöhe gehoben, und es ertönten die Leichengesänge mit ihren Lob-preisungen des großen Helden und des noch größeren Wohltätersdes Volkes. Alles d;es wirkte zusammen, um die Leidenschaftdes Volkes nach und nach bis zur Raserei zu steigern. Manwollte nun den Leichnam verbrennen, zuerst in und mit derCurie, welche der Schauplatz der Ermordung gewesen war,dann wiederum in dem Tempel des Jupiter auf dem Kapitol.Beides wurde jedoch verhindert. Nun errichtete man aber aufdem Forum einen Scheiterhaufen und verbrannte hier den Leich-nam, während die Veteranen ihre Waffen und Ehrenzeichen, an-dere ihre Gewänder, Frauen und Kinder ihre Schmucksachen indie Flammen warfen. Die wütende Masse stürmte dann zu denHäusern der Verschworenen, um dieselben anzuzünden, und nurmit Mühe gelang es den Bedrohten und dem Antonius selbst, derjetzt ebenfalls gegen die Masse einschritt, die Gefahr abzuwen-den. Ein Haus wurde niedergebrannt, das des L. Bellienus;der Volkstribun Helvius China von den Rasenden ermordetoder vielmehr zerrissen in Folge einer Verwechslung mit demPraetor Cornelius Cinna, der durch Schmähungen gegen Caesar in den letzten Tagen den Volkswillen gereizt hatte. Die Ver-schworenen hatten an jenem Tage nur mit Mühe durch Gladiato-ren ihre Häuser gegen den Andrang des wütenden Pöbels ge-schützt. In den nächsten Tagen blieben sie noch in Rom , indemsie sich fortwährend in ihre Häuser einschlossen. Dann aber ge-gen die Mitte des April verließen sie Rom ; M. Brutus und Cas-sius, um sich zunächst in den Municipien unfern der Hauptstadt