Caesars Werk. Sein Tod
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aufzuhalten und dort eine etwaige günstigere Wendung der Um-stände abzuwarten, D. Brutus, um sich in seine Provinz, dascisalpinische Gallien zu begeben, wo er in der zweiten Hälfte desApril anlangte.
IX.
„Das Werk Caesars“ ist ein anfechtbarer Ausdruck, aber erist in der besten Literatur im Gebrauch, und zwar sowohl bei denBewunderern Caesars als bei den Gegnern.
Zu den letzteren gehört Guglielmo Ferrcro,*) zu den erste-ren Theodor Mommsen .
Ferrero urteilt: „Caesar lebte in einer Zeit, die von denNachwirkungen eines abgeschlossenen Geschichtsabschnittes er-füllt war, die notwendig zerstört werden mußten, um für die Zu-kunft freie Bahn zu schaffen. Deshalb war er noch nicht ein gro-ßer Schöpfer, sondern ein großer Zerstörer; die Zeit zum Wie-deraufbau der Welt war noch nicht gekommen. Zwei große Zer-störungswerke bezeichnen seine Laufbahn: der gallische Kriegund der Bürgerkrieg. Durch ersteren vernichtete er das alte kel-tische Gallien und öffnete der griechisch-lateinischen Kultur dieBahn in das Fferz des europäischen Festlandes. Nur nachdemGallien romanisiert war, konnten Britannien und Germanien all-mählich zivilisiert und christianisiert werden; so beginnt diegroße Geschichte Europas , vor deren Höhepunkt wir vielleichtstehen, wenn wir ihn nicht bereits erlebt haben. Durch den Bür-gerkrieg beschleunigte Caesar den langsamen Todeskampf derJahrhunderte alten Republik; er tötete sie noch nicht undrichtete noch keine neue Ordnung auf. Was er zu diesem Zweckversuchte, waren nur unsichere Anläufe, denn die Zeit war nochnicht reif dafür. Das beweisen die schrecklichen Zuckungen, dieseinem Tode folgten.“
Mommsen (röm. Geschichte Bd. III S. 568) urteilt:,, Caesarhat, wo er zerstörend auftrat, nur den ausgefällten Spruch der
*) Deutsche Übersetzungen von Werken Ferreros: 1. Größe und Nie-dergang Roms, 6 Bünde. 2. Das alte Rom (Verlag von Julius Hoffmann,Stuttgart .)
Neomario, Geschichte der Stadt Rom
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