226
geschichtlichen Entwicklung vollzogen, die Keime der Kulturaber geschützt, wo und wie er sie fand, in seinem eigenen Landeso gut wie bei der verschwisterten Nation der Hellenen. Er hatdas Römertum gerettet und erneuert, aber auch das Griechentumhat er nicht blos geschont, sondern mit derselben sicheren Ge-nialität, womit er die Neugründung Roms vollbrachte, auch derRegeneration der Hellenen sich unterzogen und das unter-brochene Werk des großen Alexander wieder aufgenommen, des-sen Bild niemals aus seiner Seele wich. Er hat diese beiden gro-ßen Aufgaben nicht blos nebeneinander, sondern eine durch dieandere gelöst. Fünf und ein halbes Jahr, nicht halb solange wieAlexander, schaltete Caesar als König von Rom ; zwischen siebengroßen Feldzügen, die ihm nicht mehr als zusammen 15 Monatein der Hauptstadt seines Reiches zu verweilen erlaubten, ordneteer die Geschicke der Welt für die Gegenwart und die Zukunft;von der Feststellung der Grenzlinie zwischen Zivilisation und Bar-barei an bis hinab zu der Beseitigung der Regenpfützen auf denGassen der Hauptstadt. Die Schnelligkeit und Sicherheit derAusführung des Planes beweist, daß er lange durchdacht und inallen Teilen im einzelnen festgestellt war; allein auch so bleibtsie nicht viel weniger wunderbar als der Plan selbst. Die Grund-züge waren gegeben und damit der neue Staat für alle Zukunftbestimmt; vollenden konnte den Bau nur die grenzenlose Zukunft.Insofern durfte Caesar sich sagen, daß sein Ziel erreicht sei, undin diesem Sinn, „daß er genug gelebt habe.“ Aber eben weilder Bau ein unendlicher war, fügte der Meister, solange er lebte,rastlos Stein auf Stein, mit immer gleicher Geschmeidigkeitund immer gleicher Spannkraft tätig an seinem AVerk, ohne jezu überstürzen oder zu verschieben, eben als gebe es für ihn nurein Heute und kein Morgen.“