Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
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Antonius und Octavianus

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feil. Caesar nahm den Octavius, soweit dessen schwankende Ge-sundheit es zuließ, auf seinen Feldzügen mit, zuletzt im Jahre 45nach Spanien, von wo Octavius den Rückweg bis vor die ToreRoms mitmachte. Von dort schickte ihn Caesar nach Ulyrien,wo er in Apollonia dem Studium der öffentlichen Angelegenhei-ten und der persönlichen Information im Kriegsdienst der Legio-nen oblag. Dort erreichte ihn die Nachricht von Caesars Er-mordung.

Der 41-jährige Antonius und der 18-jährige Octavianuswaren gleichermaßen entschlossen, die dem Caesar aus der Handgefallenen Zügel der Weltherrschaft zu ergreifen.

Die Lage der beiden Rivalen war fast in jeder Hinsicht ver-schieden, nach dem ersten Anschein für Antonius weit günstigerals für Octavianus. In Wirklichkeit war es umgekehrt, wenn nurOctavianus keinen Augenblick säumte, den Vorteil zu wahren,welchen Caesars weit vorausschauender Staatsblick ihm ver-schaffte, indem er die Form der testamentarischenAdoption anwandte. Dadurch war Octavius, welcher ebensowie alle Welt durch Caesars letzten Willen überrascht wurde,mit der stärksten Legitimation ausgestattet, welche es für dieNachfolgerschaft in der Staatsherrschaft geben konnte, ohneirgendwie in der Freiheit des Handelns behindert zu sein. Ins-besondere setzte ihn die gegebene Lage in den Stand, bis auf wei-teres jede Gewaltsamkeit zu vermeiden, nach allen Seiten vor-sichtig Fühlung zu nehmen, sich möglichst jeder politischen Kom-bination anzupassen. Das einzige, was Octavius unbedingt tunmußte, bestand, wie er sofort erkannte, darin, daß er die familien-rechtliche und vermögensrechtliche Stellung als Caesars Sohn undErbe fest ergriff und energisch wahrte. Er tat dies, indem ersich unverzüglich nach Rom begab, nachdem er unterwegs Ciceroauf gesucht und dadurch Fühlung mit dem Senat gewonnen hatte.In Rom ließ er sich durch den Volkstribunen L. Antonius demVolke als Caesars Adoptivsohn vorstellen. Er behandelte es dannals Erbenpflicht, dem Volk die Spiele zu geben, welche Caesarvor der Schlacht bei Pharsalus der Venus Victrix gelobt hatte.Ferner machte er sich zur Pflicht, unverzüglich dem Volk die