244 Baugeschichte der Stadt Rom bis 14 n. Chr.
Kapitel II.
Entwicklung des Wohnungslebensbis zum Tode des Augustus.
i.
ie Baugeschichte Roms ist in unserer bisherigen Dar-stellung verschiedentlich erörtert worden. Dies istjedoch fast ausschließlich hinsichtlich der öffentli-chen Bauanlagen, das heißt derjenigen Gebäude ge-schehen, welche dem Staatsdienst, dem Götterdienst, dem Ge-meingebrauch, dem öffentlichen Kunstbedürfnis gewidmet warenund welche nationaler Freude und Dankbarkeit Ausdruck gabensowie als Ehrenerweisungen dienten.
Bei diesen Erörterungen ist ein großes Gebiet des Bauwe-sens außer Betracht geblieben, welches vom Standpunkt des reinbaulichen und künstlerischen Interesses hinter dem Gebiet deröffentlichen Bauten zurücksteht, aber für die Entwicklung des ge-samten Stadtbildes, des Stadtlebens und der KulturgeschichteRoms von höchstem Interesse ist, nämlich das Gebiet des allge-meinen Wohnungswesens: der Wohnplätze, Wohngebäude, Wohn-weise der großen Menge der Bürger, Sklaven, Fremden, welcheschon in der republikanischen Zeit zu Hunderttausenden inner-halb der Servianischen Stadtmauern wohnten und sich bewegten,und deren Zahl dann auf Millionen stieg. Eine diesem Gebietegewidmete Darstellung kann hier, wo wir am Übergang des re-publikanischen zum kaiserlichen Zeitalter stehen, nicht unter-lassen werden.
Zeitlich handelt es sich dabei um die Periode von 390 v. Chr.bis zum Tode des Augustus, örtlich um das Gebiet der Serviani-schen Mauer.
II.
Für die Zeit vor 100 v. Chr. beschränkt sich unsere Kennt-nis, und auch wohl die Möglichkeit künftiger Entdeckungen, auf