Entwicklung des Wohnungslebens 245
wenige Grundzüge, und zwar sind diese Grundzüge in den deinJahre ioo vorhergehenden Zeiten der Republik sich ziemlichgleich geblieben.
Wir wissen, daß die ursprünglich mit ihren Siedlungen kei-neswegs auf die Hügel und Berge der Stadt beschränkten römi-schen Geschlechter während der Königszeit die Tendenz hatten,sich im Gebiete der Stadt und sodann insbesondere innerhalb derServianischen Mauer seßhaft zu machen.
Wir wissen, daß sich dies zunächst meist in der Form bäu-erlicher Wohnstätten vollzog, ohne Straßenbau, Wasserleitung,Kloaken.
Die Wohnbauten waren in der Zeit bis ioo v. Chr. ein-stöckig. In der ältesten Zeit waren sie entweder aus dem schwe-ren lehmigen Tuff der Campagna gebaut, welcher an der Luft sichschnell erhärtet oder aus Holz. Nach dem gallischen Brandescheinen auch einzelne festere Steinhäuser aus Hausteinen ge-baut worden zu sein. Diese Bauweise hat sich aber nicht einge-bürgert. Auch in der Kaiserzeit blieb der Holzbau die Regel.
Die Grundform der Wohnbauten war der nach außen fen-sterlose ganz nach innen eingestellte Typus des reinen Familien-hauses. Das Haus schloß sich um das Atrium herum.
Das wie gesagt gänzlich fensterlose Haus erhielt sein Lichtdurch die große Haustür und eine breite über dieser liegendeÖffnung, welche auch der Luft Durchzug gewährte, sowie durchdie über der Mitte des Hauses dem Himmelslicht unmittelbarenEintritt gebende Dachöffnung (Impluvium).
Die Bedachung war spitz, zweiseitig oder vierseitig aufge-setzt. In älterer Zeit waren die Dächer mit Stroh gedeckt,später mit Holzschindeln, welche erst seit dem PyrrhischenKriege (281) abkommen und durch Ziegel- und Metalldächerersetzt wurden. Die Häuser standen einzeln, jedes für sich alleinmit unregelmäßiger Frontrichtung, in größeren oder geringerenZwischenräumen.
Straßenfronten im eigentlichen Sinne gab es nicht. Diesewurden erst nach dem Neronianischen Brande (69 n. Chr.) all-mählich eingeführt.