Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Baugeschichte der Stadt Rom bis 14 n. Chr.

Das Straßemvesen entbehrte in der Stadt jahrhundertelangder Fürsorge der Gemeindeorgane. Sowohl die Fahr- wie dieFußwege wurden durch freie Verkehrsübung, entsprechend demZustand des Bodens und dem tatsächlichen Bedürfnis, durchViehtrieb, Transport- und Fußgängerverkehr ohne alle Technikgebildet. Das anschaulichste Beispiel sind die alsclivi (clivus)bezeichneten Fahrwege, d. h. die natürlichen Verbindungen dereinzelnen Hügel miteinander in Gestalt erhöhter Erdstreifen,welche die Sumpfgebiete durchzogen. Ihre Fortsetzung überdie Hügel selbst, vollzog sich in Selbstverständlichkeit. Durch denfortgesetzten Gebrauch zunächst fixiert dann ruiniert, erzwangsich das Verkehrsbedürfnis ihre Instandsetzung. Die erste dem-gemäß instandgesetzte Fahrstraße war der im Jahre 237 v. Chr.über den Aventin geführte, das Südtor der Stadt mit dem ForumverbindendeClivus Publicius (H. Jordan, Topographie derStadt Rom , Bd. I. S. 328). In größerem Maßstab wurden dieseund andere Naturstraßen seit 174 v. Chr. befestigt.*) Dabei kamin erster Linie die vom Südtor der Stadt (Porta Ostiensis) nord-wärts über die Carinae und über den Quirinal zur Porta Collinaführende Fahrstraße in Betracht, welche zunächst in ihremHauptteil dann ganz Vicus Longus genannt wurde. Dieseswar die die ganze Stadt von Süd nach Nord durchziehendewichtigste innere Verkehrsader. Von ihr als der Hauptachseging bei den Carinae eine andere Hauptstraße, der Vicus Patri-cius, nordöstlich zur Porta Viminalis ab. Der Vicus Longuswurde senkrecht von vier andern Hauptstraßen durchschnitten,welche den Stadtverkehr zwischen Westen und Osten herstellten.Diese Querstraßen -waren: 1. die Alta Semita über den Quirinal zur Porta Collina, 2. die Subura über den Viminal zur PortaEsquilina, 3. die Via Labicana über den Mons Oppius zur Porta

*) Die von dem Censor C. Flaminius in den Jahren 224 bis 221 er-baute Via Flaminia hat mit der alten Servianischen Stadt nichts zu schaffen.Sie ist außerhalb der Servianischen Mauer auf dem Marsfelde (nahe bei demCircus Flaminius), bei der Porta Fontinalis beginnend, angelegt als Verbin-dung mit der großen bis zum Mare superum (Adriatisches Meer ) führendenHeeresstraße gleichen Namens. Vgl. dazu Jordan, a. a. O. Bd. 111 Abt. 111.S. 484, und die Monographie von E. Martinori,Via Flaminia, Rom 1929.