Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Entwicklung des Wohnungslebens 247

Querquetulana,*) 4. eine der heutigen Via di San Giovanni ent-sprechende Straße, deren Namen wir nicht kennen und welcheauf der erhöhten Talsohle zur Porta Coelimontana (d. h. mit derRichtung auf die Porta Asinaria) führte. **) Außerdem ist diekurze Straße zu registrieren, welche als breite Verkehrsbahn vonder Porta Capena zum Circus Maximus führte, im Zusammen-hang der Vallis Egeriae liegend.

Die am schwersten zu beantwortende und doch für das Ge-samtbild wichtigste Frage, wie sich die Fronten und die Distan-zen der Wohngebäude zu den Straßenläufen stellten, ist negativbereits beantwortet durch die Feststellung des Fehlens von Stra-ßenbaulinien. Hierzu ist weiterhin positiv zu berichten, daßnicht nur die Richtung der Hausfronten, sondern auch die Ent-fernung der einzelnen Häuser voneinander von Fall zu Fall ver-schieden gestaltet war. Aber alle Wohnhäuser lagen mit ihrenAußenmauern frei. Erst als mehrstöckige Häuser aufkamen,gab es auch gemeinschaftliche Mauern.

Das Gesamtbild ist ferner dahin zu vervollständigen, daßgewisse generelle Verschiedenheiten der einzelnen Stadtteile be-standen. Auf dem Ouirinal, wo die Sabiner gesiedelt und gebauthatten, ist die Anordnung geordneter und geschlossener gewe-sen als in andern Stadtteilen. Auf dem Caelius, wo eine altegeschlossene Siedlung bestanden hat, sind generelle Besonder-heiten der Bauweise und der Anordnung anzunehmen. In deralten Etruskersiedlung, vicus Tuscus, beim Forum boarium, wodie etruskischen Arbeiter des Capitolinischen Tempels in der Kö-nigszeit ihre Bauhütten und Wohnungen hatten, müssen Bauartund Anordnung ihre eigene Art gehabt haben. Auf dem Aventin,welcher im Jahre 456 v. Chr. an die Plebejer zu Bauplätzen erb-lichen Besitzes überlassen wurde (lex Icilia), haben Bauernhäuserniemals gestanden. Dort sah man neben zahlreichen Privathäu-sern große Mietwohnungskomplexe, Geschäftshäuser, Fabriken,Speisehäuser und Garküchen nebeneinander. Dazwischen stan-den auch einzelne vornehmere Häuser reicher Plebejer. Auf

*) Der Mons Caelius hieß ursprünglich Mons Querquetulanus.

**) H. Jordan, Typographie der Stadt Rom Bd. I S. 22526.