Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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254 Baugeschichte der Stadt Rom bis 14 n. Chr.

nähme der Bevölkerung und dem damit verbundenen Steigender Mietzinse. Das letztere Moment ist für die Zeit nach Sulla mehrfach und in stärkstem Maße bezeugt. Wie überall in gro-ßen Städten starke Bevölkerungszunahme, Baulust und Bauspe-kulation, welche auf hohe Hausrenten abzielen, anregt, so ist esauch in Rom der Fall gewesen.

Eine unaufhörliche Reihe von Vorgängen, welche schon seitder Zeit nach dem ersten Punischen Kriege Gelegenheit sowohlzum Aneinanderrücken als zum Höherbauen gegeben hatten,waren die zahllosen kleinen und die durchaus nicht seltenen undumfassenden mehrere Tage wütenden Brände der Stadt, für derenletztere für die Zeit von 240 bis 17g folgende Jahresziffernüberliefert sind: 240, 238, 212, 193, 179, außerdem ein sehrgroßer Brand im Jahre 54 v. Chr. (Jordan a. a. O. I S. 482).

Aber wie gesagt, wir können für jene Zeiten die Entwick-lung nur mutmaßen. In größtem Maßstab fanden Umgestal-tungen seit Sulla , sodann wieder mit erneutem Antrieb seit derSchlacht bei Actium unter dem Einfluß des Augustus statt.

Zahlreiche Nachrichten aus der ersten Kaiserzeit heben dieHöhe der Häuser und die Zahl der Stockwerke als Hauptkenn-zeichen des Stadtbildes hervor. Daß schon in der republikani-schen Zeit die übertriebenen Hochbauten zu Mißständen führten,beweist die Bestimmung des Augustus, durch welche die Höheder an einer Straße stehenden Häuser auf das Maß von 70 römi-sche Fuß beschränkt wurde. Dadurch wurden nicht mehr als4 Stockwerke und etwa ein Halbschoß ermöglicht. In der gro-ßen Menge der nicht an einer Hauptstraße belegenen Fläuscr wardie Höhe und die Zahl der Stockwerke nicht beschränkt, also na-mentlich nicht in den vici. Dort waren fünf- und sechsstöckigeHäuser an der Tagesordnung. Martialis erwähnt, daß ein armerSchlucker 200 Stufen zu seiner Kammer emporklettern mußte.

Es muß hervorgehoben werden, daß während die Erdge-schosse nach wie vor nach der Straße zu fensterlos blieben, dieoberen Stockwerke auch nach der Straße Fenster und außerdemErker und Baikone hatten, gegen deren Häßlichkeiten und Gefah-ren Augustus einschritt.