Entwicklung des Wohnungslebens 253
Curiosum und der Notitia 78 vici (Jordan, Topografie, Bd. IS. 314). Die vici trugen charakteristische Namen, von denenuns etwa 140 überliefert sind, und von welchen einige in sehralte Zeit zurückreichen müssen. Die Namen belehren unsdarüber, daß viele der vici vielfach exklusive Wohnungsgemein-schaften von Zunftgenossen bildeten, so die der Töpfer, der Soh-lenhändler, der Sichelschmiede, der Ochsentreiber, der Oliven-händler. Andere trugen die Namen römischer (patrizischer undplebejischer) Geschlechter, so Vicus Aelius, Pullius, Fannius,Saufejus, Cornelius, Sergius. Die Bewohner der einzelnen vicibildeten religiöse Gemeinschaften mit gemeinsamer Verehrungihrer Larengötter, und mit Heiligtümern, welche dort aufge-stellt waren, wo die Untergassen zusammenschossen, und welchecompita hießen. Augustus beförderte diese religiösen Organi-sationen moralisch und baulich.
Der kapitolinische Marmorplan der Stadt weist eine Anzahlvon Grundrissen größerer vici auf.
VI.
Zweierlei wesentliche Änderungen, welche teilweise schonvor dem Jahre 10c v. Chr. in den römischen Wohnungsviertelneingetreten zu sein scheinen, können wir zeitlich nicht näher be-stimmen und auch nicht im einzelnen beschreiben: 1) das An-einanderrücken der Wohnhäuser |zu enger Nachbarschaft mitgemeinsamen Mauern, 2) die Aufsetzung von Stockwerken.
Den ersteren Vorgang kann man sich leicht vorstellen imBereich der vici, welche vielleicht von vornherein mit geschlos-senen Häuserfronten gebaut waren.
Das Aufsetzen von Stockwerken wird am einfachsten undnatürlichsten durch die Vergrößerungen des Familienbestandesim Hause erklärt. Wir haben die positive Nachricht, daß einHauseigentümer, als sein Sohn heiratete und Kinder bekam, erder jungen Familie Wohnung in Gestalt eines aufgebauten Stock-werkes gab.
Ein allgemeines sowohl die Beseitigung des ambitus als dasAufbauen von Stockwerken erklärendes Moment liegt in der Zu-