Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Bautätigkeit des Octavianus

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seiner natürlichen Schönheit großen künstlerischen Schmuckempfangen. Die umfangreiche Ebene gewährt einen weiten Spiel-raum für die Menge, welche dort fährt, reitet, turnt, Ball spieltund 'andere Leibesübungen treibt. Die Bauten, welche dieseEbene umgeben, das nie verschwindende Grün des Rasens, derschöne Hügelkranz am Flusse, gewähren eine Augenweide, vonwelcher man sich nur schwer trennen kann. In der Nähe deseigentlichen Marsfeldes gegen das Capitolium hin liegt eine zweiteFläche, auf der sich viele Hallen, Flaine, drei Theater, ein Amphi-theater, Tempel an Tempel befinden, so daß die übrige Stadt da-gegen ganz zurücktritt. Kommt man dann aber wieder in dieStadt und sieht dort Forum an Forum, Porticus an Porticus,Basilika an Basilika, Tempel an Tempel und betrachtet das Kapi-tol und den Palatin mit ihren Bauten, so kann man leicht allesvergessen, was vor den Toren liegt. So herrlich ist die StadtRom .

Wenn Augustus gegen sein Lebensende sagte:Ich habeeine Stadt aus Backsteinen angetroffen und daraus eine Marmor-stadt gemacht, so hat er damit ein Bekenntnis erfüllter Liebe ab-gelegt. Der Marmor war eine seiner Passionen. Die Erschlie-ßung der herrlichen Marmorbrücke bei Luna in der Nähe desArnoflusses (Carrara ) und die Gewinnung der edelsten Marmor-arten aller Länder waren ihm persönliche Angelegenheiten. Derrot-gelbe Backsteinbau des Pretorianerlagers, welcher alsbald nachseinem Tode auf der Höhe der Porta Nomentana entstand, ent-sprang anderem Geschmack. Dazu muß bemerkt werden, daßauch AugusteischeMarmorbauten vielfach aus Ziegelsteinengebaut und mit Marmorplatte verkleidet waren.