Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Persönlichkeit und Regierungs weise des Augustus 273

von billigem Albanerstein, ohne jeden Marmor, die Fußbödenohne Schmuck. Zu Hadrians Zeit wurde noch Hausrat aus derDomus Augustana gezeigt, dessen Einfachheit man bewunderte.Es wird anschaulich berichtet, daß im Atrium des Hauses dieEnkel des Augustus durch den Dichter Verrius Flaccus unter-richtet wurden. Dieses Haus auch war es, über dessen Eingangs-tür der Senat im Jahre 27 v. Chr. den Eichenkranz als Bürger-krone anbringen ließ, während die Pfosten mit lebendigem Lor-beer geschmückt wurden (d. h. durch Lorbeerbäume, welche derSenat dort hinpfanzen ließ). Augustus selbst hatte an einemEhrenplatz des Hauses seinem Vater einen Bogen gewidmet, aufdem das Götterpaar Apollo und Diana in einer Quadriga, von derHand des Lysias geschaffen, thronten. Als im Jahre 4 n. Chr.das Haus infolge Blitzschlages niederbrannte, baute Augustus esunter Hinzuziehung einiger für diesen Zweck erworbener Nach-bargrundstücke unter allgemeiner Anteilnahme vergrößert wie-der auf. Senat und Bürgerschaft wollten die Kosten tragen.Augustus nahm von den Städten, welche sich beteiligen wollten,je ein Goldstück an, von Privaten eine kleine Silbermünze. DenRest der Kosten trug er selbst, erklärte aber gleichzeitig dasHaus als Gemeingut, das er nur nutzte.

II.

Den Wohnverhältnissen entsprach das persönliche Auftre-ten des Augustus, welchem Einfachheit und Bürgerlichkeit nach-gerühmt wird. Augustus bewegte sich unter seinen Mitbürgernohne Pomp und ohne irgend eine den Kaiser andeutende Aus-zeichnung. Seine Kleidung war einfach wie seine Haltung.Er ging zu Fuß. An Hochzeiten und Schmäusen der Bürgernahm er gern als geladener Gast teil. Sein Hauswesen warnicht kostbarer eingerichtet als ein vornehmes Bürgerhaus. SeinTisch war mit wenigen gewöhnlichen Speisen besetzt, währenddas ganze vornehme Rom in Schlemmerei lebte. In seinem Fami-lienleben und im geselligen Verkehr war Augustus auch sonsteinfach. Er hielt darauf, daß seine Tochter und seine Enkelin-nen sich gleich den alten Römerinnen mit Weben beschäftigten,

Neomario, Geschichte der Stadt Rom

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