Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
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Panem et Circenses

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kaiserlichen Prinzen nahmen teil), führten in Abteilungen vonjüngeren (etwa bis zu n) und älteren (etwa bis zu 17 Jahren)geordnet, in glänzendem Waffenschmuck Reiterübungen aus.

Von den genannten eigentlichen Circusspielen, so prächtigund durch die Personen der Auftretenden ausgezeichnet sie zumTeil waren, gewann jedoch, wie gesagt, keines eine Bedeutungund Wichtigkeit, die auch nur entfernt der der Wagenrennen zuvergleichen wäre.

In alter Zeit hatten die Bürger sich mit ihren Gespannenund Sklaven am Wagenrennen beteiligt, und der hier erworbeneKranz hatte für so ehrenvoll gegolten, daß er ebenso wie der demsiegreichen Kämpfer zuerkannte dem Besitzer des siegreichenGespanns auf die Bahre gelegt wurde. Doch an der Preisgebungder eigenen Person zur Belustigung haftete ein Makel, wenngleichder Wagenlenker niemals wie der Bühnenspieler und Fechterfür ehrlos galt, und das schwierige und gefahrvolle Gewerbe wargeringen Leuten, Freigelassenen und Sklaven zugefallen, vondenen die letzteren zuweilen für ihre Siege die Freiheit erhielten;die gewöhnlichen Belohnungen bestanden teils in Palmen undKränzen, teils in Geldpreisen und später in wertvollen und präch-tigen Kleidern.

Überdies wurden die Leistungen der Wagenlenker, fiuwelche selbst die Ehrung einer Erwähnung in dem öffentlichenTagesanzeiger der Stadt Rom als nicht zu groß gegolten zu ha-ben scheint, wohl nicht selten (teils von ihnen selbst, teils vonihren Verehrern) in ausführlichen Urkunden auf Steintafeln ver-zeichnet.

Da die Festgeber nur ausnahmsweise die Circusspiele miteigenen Leuten und Pferden bestreiten konnten, übernahmenGesellschaften von Kapitalisten und Besitzer großer Sklaven-familien und Gestüte die Lieferung und Ausrüstung. Wie inder Regel vier Wagen um die Wette rannten, so gab es auchvier solche Gesellschaften, die zu jedem Rennen je einen Wagenstellten, und seit Wagen und Lenker Farben als Abzeichen tru-gen, je eine dieser Farben zu der ihrigen machten; daher sieFaktionen oder Parteien genannt wurden. An ihrer Spitze

Neomario, Geschichte der Stadt Rom

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