298
Panem ct Circenses
Podium, ein breiter" Umgang, auf dem man bewegliche Sitze hatte,dann die erste Abteilung der Sitzstufen aus Marmor (Maenianum,Balkon), darauf durch eine Gürtung getrennt das zweite Maenia-num, ebenfalls mit marmornen Sitzstufen. Das Podium ist vonunten unmittelbar durch die Treppen zugänglich, das ersteMaenianum sowohl von unten vom Podium wie von oben vonder ersten Gürtung durch Treppen. Diese Treppen teilen dasMaenianum in verschiedene Keile. Ebenso war das zweite Ma-enianum von unten von der ersten Gürtung durch die Treppen,wie von der zweiten Gürtung zugänglich. Außerdem erleichter-ten Ausgänge in der Mitte dieses Maenianums den Verkehr. Zumdritten Maenianum, welches auf hoher Mauer sich erhebt undmit Holzsitzen versehen war, führen zahlreiche Treppen. Ober-halb des dritten Maenianums lief eine Säulenhalle, erreichbardurch direkte Treppen. Schließlich konnte man auch die Da-chung der Halle mittels der Treppen ersteigen, von wo aus das„Velarium“ dirigiert wurde. Das ganze Gebäude konnte nämlichzum Schutze gegen die Sonnenhitze mit einem riesigen an Ma-sten befestigten Zeltdache überspannt werden.
Der Bau bot Platz für über 40 000 Zuschauer *) und hateinen Umfang von 524 m, die Längsachse beträgt 188 m, dieQuerachse 156 m. Die Arena hat 86 und 54 m im Durchmesser.
Über die Nachgeschichte des Bauwerks sei hier eingeschaltet:
Restaurationen erfolgten unter Antoninus Pius , dann, nach-dem unter Macrinus der Blitz den oberen, wahrscheinlich hölzer-nen Teil zerstört hatte, durch Elagabal und Alexander Severus .Zum zweiten Mal zerstörte ein durch den Blitz hervorgerufenerBrand den oberen Teil unter Decius. Unter Theodosius II. undValentinianus im Jahre 442, sowie zwischen 467 und 472 wurdees durch heftige Erdbeben beschädigt; noch vorhandene Inschrif-ten berichten über die Wiederherstellung.
*) Daß der Bau nicht 87000 Zuschauer faßte, wie früher allgemein an-genommen wurde, sondern höchstens 40—45000 hat Ch. Huelsen nachge-wiesen. S. H. Jordan, Topographie der Stadt Rom im Altertum, Bd. I Abt. 3von Ch. Huelsen, Berlin 1907 S- 297.